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Neues Coronavirus

WHO in Sorge

13.05.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigt sich aufgrund der Ausbreitung des neuen Coronavirus und der Art der Transmission beunruhigt. Der Erreger kann vermutlich in Einzelfällen von Mensch zu Mensch überspringen. Hinweise auf eine kontinuierliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung gebe es bislang aber nicht.

In Saudi-Arabien sind seit dem 14. April 13 neue Infektionen entdeckt worden, die meisten Patienten waren in derselben Klinik in Behandlung. Bei zwei Patienten handelt es sich um Familienangehörige von anderen Infizierten. Die Infektionsquelle sei bislang unbekannt, so die WHO. Die wenigsten Patienten hatten Kontakt zu lebenden Tieren kurz vor der Erkrankung. Außerdem wurde das Virus bislang noch nicht in Tieren nachgewiesen.

Einige Fälle deuteten darauf hin, dass bei engem Kontakt eine Infektion von Mensch zu Mensch möglich sei. So etwa bei den Familienangehörigen in Saudi-Arabien oder auch beim zweiten Erkrankungsfall, der nun in Frankreich aufgetreten ist. Der Mann aus Lille hatte Kontakt zu dem Patienten gehabt, bei dem erstmals in Frankreich der gefährliche Erreger festgestellt worden war. Beide hatten vor den Diagnosen ein Krankenzimmer geteilt, wie das Gesundheitsministerium in Paris mitteilte. Insgesamt haben sich laut WHO weltweit bisher 30 Menschen mit dem neuen Coronavirus infiziert, 18 von ihnen sind gestorben. Der Erreger ist mit dem SARS-Virus verwandt, das vor zehn Jahren etwa 780 Menschen tötete. Er kann schwere Lungenentzündungen hervorrufen. Die Erkrankungszahl könnte aber weit höher liegen, vermutet die WHO. Die Durchseuchung der Bevölkerung in den betroffenen Ländern sei bislang nicht untersucht. Da­rauf weist auch der Virologe Christian Drosten im Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« hin. Seiner Meinung nach ist die Epidemiologie »verschoben«: Die Mehrheit der Patienten bisher sei männlich und so wohlhabend, dass sie sich für Spezialbehandlungen ins Ausland ausfliegen lassen können. Drosten ist daher überzeugt, dass es mehr Erkrankungen geben muss, die deutlich harmloser verlaufen als die bekannten.

 

Serum von Genesenen

 

Die WHO hat ein Experten-Netzwerk etabliert, um das therapeutische Vorgehen zu diskutieren. Dieses hält Rekonvaleszentenplasma, das Plasma von Genesenen, für die Erfolg versprechendste Option. Hierbei wird das Serum von Patienten, die die Infektion überwunden haben, zur passiven Immunisierung von Erkrankten verwendet. Pro Patient braucht man dazu das Serum eines Überlebenden. Das Verfahren wurde schon bei Ebola, Lassa-Fieber und bei schweren H1N1-Erkrankungen eingesetzt. Die WHO plant, Serumbanken in den betroffenen Ländern einzurichten. /

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