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Clostridium difficile

Aggressive Stämme breiten sich aus

Datum 17.05.2010  21:46 Uhr

Von Gudrun Heyn, Berlin / In deutschen Kliniken nimmt die Zahl lebensbedrohlicher Durchfallerkrankungen zu. Ursache sind neue Stämme des Bakteriums Clostridium difficile, die von Nordamerika nach Europa eingeschleppt wurden.

In Deutschland ist Clostridium difficile kein unbekannter Erreger. Bereits Ende der 1970er-Jahre wurde das Stäbchenbakterium mit nosokomialen Durchfallerkrankungen in Zusammenhang gebracht. Vor allem ältere, chronisch kranke und immunsupprimierte Patienten sind davon betroffen. Doch die Schwäche des menschlichen Wirts ist nur ein Faktor, der den Ausbruch einer Clostridium-difficile-Infektion begünstigt.

Ein anderer ist die Antibiotikagabe. »Nor­malerweise sind die zahlreichen kommensalen Darmbakterien in der Lage, den menschlichen Intestinaltrakt weitgehend vor einer ungewollten Be­siedlung mit fremden Keimen zu schüt­zen«, sagte Professor Dr. Thomas Wein­ke vom Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum auf dem 15. Symposium Reise- und Impfmedizin des Auswärtigen Amtes in Berlin. Sobald die kommensalen Bak­terien durch die Gabe von Antibiotika zurückgedrängt werden, reduziert sich auch die natürliche Schutzfunktion gegenüber fremden Mi­kroorganismen. In der Folge können sich im Darm vorkom­mende Clostridium-difficile-Keime deut­lich besser vermehren und ihre Toxinpro­duktion ankurbeln. Vor allem das Entero­toxin A und das Zytotoxin B sind bei anti­biotikaassoziierten Durchfällen nachweisbar.

 

Seit dem Jahr 2003 nimmt weltweit die Zahl von Clostridium-difficile-Infektionen mit den hochvirulenten Stämmen vom Ribotyp 027 zu. »Aufgrund von Mutationen kommt es bei diesen neuen Stämmen zu einer vermehrten Toxin-Produktion«, sagte Weinke. Sie ist 20-fach höher als bei den altbekannten Erregern. Damit einher gehen schwerere Verläufe und eine höhere Mortalität. Auch am Robert-Koch-Institut (RKI) wurde dieser Trend registriert. Für die Bundesrepublik wurde daher Ende 2007 eine Meldepflicht für schwer verlaufende Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhöen sowie für Infektionen mit dem Ribotyp 027 eingeführt. In den vergangenen beiden Jahren infizierten sich in Deutschland mehr als 800 Personen mit dem aggressiven Keim und 440 starben an den Folgen. Während noch vor Jahren die Letalität für Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhöen mit 1 bis 2 Prozent angegeben wurde, liegt sie nun bei den neuen Stämmen über 50 Prozent.

 

Zur Behandlung einer Clostridium-Diarrhö wird in Deutschland üblicherweise Metronidazol eingesetzt. Vancomycin gilt als Mittel der zweiten Wahl. »Doch Zahlen aus den USA belegen, dass Vancomycin bei schweren Verläufen deutlich besser wirksam ist«, sagte Weinke. Keinen signifikanten Unterschied in der Wirksamkeit von Metronidazol und Vancomycin gibt es aber bei leichten bis milden Infektionen. /

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