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Migräne

Neuer Antikörper zur Prävention

10.05.2017
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Von Kerstin A. Gräfe / Womöglich wird demnächst eine neue Option zur Migräneprophylaxe zur Verfügung stehen. Der Antikörper Erenumab konnte in einer Phase-III-Studie die Zahl der Migräne­tage reduzieren. Einen Antrag des Herstellers auf beschleunigte Zulassung lehnte die Europäische Arzneimittelagentur allerdings ab.

Erenumab ist ein vollständig humaner monoklonaler Antikörper, der eigens dafür konzipiert wurde, den Calcitonin-Gene-Related-Peptide (CGRP)-Rezeptor zu blockieren. Das Neuropeptid CGRP spielt eine bedeutsame Rolle bei der Entstehung, Aufrechterhaltung und Chronifizierung der Migräne. Entwickelt wurde der Arzneistoffkandidat, der auch unter dem Namen AMG 334 bekannt ist, gemeinsam von den Pharmaunternehmen Novartis und Amgen.

 

An der randomisierten placebo­kontrollierten Phase-III-Studie STRIVE nahmen 955 Migränepatienten teil. Sie erhielten ein halbes Jahr lang einmal im Monat subkutan entweder 70 mg oder 140 mg Erenumab oder Placebo. Als primärer Endpunkt war die durchschnitt­liche Reduktion der Migränetage in den letzten drei Monaten des Prüfungszeitraums im Vergleich zum Ausgangswert definiert. Letzterer betrug 8,3. Zu Stu­dienbeginn hatten die Patienten also durchschnittlich an 8,3 Tagen pro Monat Migräne gehabt.

 

Erenumab verringerte in beiden Dosierungen die Zahl der Migränetage um 3,2 beziehungsweise 3,7 Tage; in der Placebogruppe fiel der Rückgang mit 1,8 Tagen signifikant geringer aus. Laut Novartis bewegten sich die Nebenwirkungen auf Placeboniveau. Am häufigsten traten Nasopharyngitis, Infek­tionen der oberen Atemwege sowie Sinusitis auf. Die Studie wird derzeit hinsichtlich der sekundären Endpunkte ausgewertet. Dazu zählen zum Beispiel der Anteil der Patienten, die innerhalb der letzten drei Monate des Prüfzeitraums eine 50-prozentige Reduktion der Migränetage im Vergleich zum Ausgangs­wert erreichten, sowie der Einfluss auf Alltagsaktivitäten und Lebens­qualität.

 

Dreifache Konkurrenz

 

Neben Erenumab befinden sich drei weitere monoklonale Antikörper zur vorbeugenden Behandlung der episodischen oder chronischen Migräne in Phase III der klinischen Prüfung: Eptinezumab (Alder), Galcane­zumab (Eli Lilly) und Fremanezumab (Teva). Sie greifen im Gegensatz zu Erenumab nicht am CGPR-Rezeptor, sondern an dem Neuropeptid selbst an.

 

Eptinezumab (ALD403) wird im Abstand von drei Monaten infundiert. In einer Phase-IIb-Studie an Patienten mit chronischer Migräne reduzierte der Anti­körper in einer Dosierung von 300 mg und 100 mg bei 33 beziehungsweise 31 Prozent der Patienten die Migräne­attacken um 75 Prozent. Erste Ergebnisse von Phase-III-Studien zu episodischer beziehungsweise chronischer Migräne werden im ersten Halbjahr dieses Jahres beziehungsweise im Juni 2018 erwartet.

 

Galcanezumab (LY2951742) wird einmal im Monat subkutan injiziert. Sicherheit und Wirksamkeit werden derzeit in Phase-III-Studien zur Vorbeugung der chronischen und episodischen Migräne sowie von Cluster-Kopfschmerzen untersucht. Eine Studie zur Wirksamkeit bei episodischer Migräne soll bis Dezember 2017 abgeschlossen sein. Eine weitere Studie bei chronischer Migräne soll im April 2018 komplettiert sein. Die Ergebnisse einer offenen Langzeitstudie werden im September 2017 erwartet.

 

Fremanezumab (TEV-48125) wird derzeit in Phase-III-Studien bei chronischer und episodischer Migräne sowie Cluster-Kopfschmerz untersucht. Die Analysen zur Sicherheit und Wirksamkeit bei beiden Migränearten sollen im Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein. /

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