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Chirurgie

Operationen ohne äußere Narben

08.05.2007
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Chirurgie

Operationen ohne äußere Narben

Von Daniela Biermann

 

Mit einer minimalinvasiven Methode wollen Ärzte demnächst innere Organe durch den Mund oder andere Körperöffnungen operieren. Das Verfahren NOTES (natural orifice transluminal endoscopic surgery) verspricht Operationen ohne sichtbare Narben bei milder Narkose und niedrigem Infektionsrisiko.

 

Bei der neuen Technik führt ein Chirurg ein flexibles Endoskop mit Kamera durch eine Körperöffnung in den Bauchraum ein. Zum Beispiel schiebt der Operateur bei der transgastrischen Chirurgie das Endoskop durch den Mund in den Magen, wo es durch einen kleinen Schnitt in der Magenwand in die Bauchhöhle gelangt. Über diesen Zugang entfernten die indischen Mediziner Dr. Nageshwar Reddy und Dr. Venkat Rao erstmals einen menschlichen Blinddarm. Im Ohio State University Medical Center, USA, untersuchten Ärzte bei zehn Patienten transgastrisch die Bauchspeicheldrüsen auf mögliche Tumoren.

 

Ein anderes Beispiel für die Anwendung von NOTES stellt ein Eingriff durch einen Schnitt in der Vagina dar. Chirurgen in New York und Straßburg entnahmen so zwei Frauen ihre Gallenblasen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten untersuchen Forscher derzeit in Tierversuchen. So gelang es bisher, Milz, Eileiter und Eierstöcke transgastrisch zu entfernen, künstliche Magen- und Darmausgänge zu legen und Leberbiopsien und Sterilisationen durchzuführen. Durch den Dickdarm entfernten Chirurgen Schweinen die Gallenblasen.

 

NOTES scheint viele Vorteile zu haben: Es entstehen keine Narben auf der Haut. Die inneren Einschnitte verursachen kaum postoperative Schmerzen, da hier weniger Schmerzrezeptoren als auf der Haut vorliegen. NOTES-Eingriffe könnten deshalb unter milder Sedation anstatt unter Vollnarkose stattfinden. Im Vergleich zu herkömmlichen Operationen könnte die neue Technik das Wohlbefinden der Patienten verbessern und die Dauer der Krankenhausaufenthalte verkürzen, sodass die Patienten schneller wieder zu ihrem Alltag zurückkehren könnten. Gerade bei transgastrischen Eingriffen könnte auch das Infektionsrisiko sinken. Zum einen entstehen keine Komplikationen durch Infektion mit auf der Haut lebenden multiresistenten Keimen. Zum anderen ist die Gefahr gering, sich mit Bakterien aus dem Gastrointestinaltrakt zu infizieren, da der Magen mit Antibiotika gespült werden kann und die Magensäure selbst desinfizierend wirkt.

 

Kritiker warnen jedoch, dass die neue Methode überschätzt werden könnte. Denn auch NOTES birgt Risiken wie innere Blutungen und Magenwandverschlüsse. Ob sich die Methode durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

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