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HIV-Epidemie

Verstärkt testen

02.05.2018
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Von Christina Hohmann-Jeddi, Mannheim / Um die HIV-­ Epidemie einzudämmen, ist die verstärkte Testung auf das Immunschwächevirus ein entscheidender Schritt. Nur wer von seiner HIV-Infektion weiß, kann behandelt werden und damit das Transmissionsrisiko deutlich senken. Auch Heimtests können hier hilfreich sein.

»Ohne Diagnose ist keine Prävention mittels antiretroviraler Therapie möglich«, machte Dr. Annette Haberl vom HIV Center des Universitätsklinikums Frankfurt am Main auf dem Internistenkongress Mitte April in Mannheim deutlich. Mit einer hohen Diagnose- und Behandlungsrate ließe sich die Verbreitung des HI-Virus deutlich einschränken. 

 

Daher hat das HIV/Aids-Programm der Vereinten Nationen (UNAIDS) das 90-90-90-Ziel für das Jahr 2020 vorgegeben. Dies bedeutet, dass bis dahin mindestens 90 Prozent der Menschen mit HIV weltweit diagnostiziert sein, 90 Prozent von diesen eine antiretrovirale Therapie (ART) erhalten und weitere 90 Prozent von diesen einen Virustiter unter der Nachweisgrenze aufweisen sollten.

 

»Davon sind wir weltweit weit entfernt«, so Haberl. Die Diagnoserate läge etwa bei 70 Prozent, von den Diagnostizierten erhielten 50 Prozent eine ART und von diesen seien 44 Prozent mit dem Virustiter unter der Nachweisgrenze. In Deutschland sei die Situation besser. Hierzulande wüssten geschätzte 86 Prozent der Menschen mit HIV von ihrer Infektion, von diesen erhielten 86 Prozent eine Therapie und von diesen erreichten 93 Prozent einen Virustiter unter der Nachweisgrenze. »Das ist gut, aber es gibt noch Luft nach oben«, sagte Haberl.

 

Rote Fahnen beachten

 

Vor allem beim Testen könne man noch mehr erreichen. Eine Maßnahme sei, dass Ärzte verstärkt HIV-Tests anbieten, wenn Patienten sogenannte Indikatorkrankheiten aufweisen. Neben sexuell übertragbaren Erkrankungen wie Syphilis sind dies maligne Lymphome, Anal- oder Zervixtumore, Hepatitis B und C, Herpes-Zoster-Infektionen, unerklärliche Leukozytopenie oder Thrombozytopenie sowie Seborrhoische Dermatitis. Diese Krankheiten seien Signale, die dazu führen sollten, dass ein HIV-Test angeboten wird. Bereits jetzt würden in Deutschland pro Jahr mehr als fünf Millionen HIV-Tests durchgeführt, berichtete die Medizinerin. In 2015 wurden vier Millionen Blutspender und 800 000 Schwangere getestet, zusätzlich wurden 320 000 HIV-Tests von Ärzten und weitere 100 000 in öffentlichen Gesundheitsstellen durchgeführt. Noch mehr könnten es werden, wenn in Deutschland Heimtests verfügbar werden. Hier­zulande dürfen HIV-Schnelltests bislang aufgrund der Medizinprodukte-Abgabeverordnung nicht an Privatpersonen abgegeben werden. Diese Verordnung wird in diesem Jahr überarbeitet, berichtete Haberl. »Wir sind uns sicher, dass die HIV-Selbsttests dann auch für den privaten Gebrauch verfügbar werden.«

 

Schnelltest für zuhause

 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat sich schon vor Jahren für den Einsatz von HIV-Selbsttests ausgesprochen. Nun zeigt eine aktuelle Meta­analyse, dass Laien HIV-Schnelltests ebenso sicher anwenden können wie medizinisches Personal (»The Lancet«, DOI: 10.1016/S2352-3018(18)30044-4). Die Forscher um Dr. Carmen Figueroa von der WHO werteten hierfür 25 Studien aus, die untersuchten, inwieweit die Ergebnisse von Blut- oder Speicheltests auf HIV beim Gebrauch durch Laien und dem Gebrauch durch medizinisches Personal übereinstimmten. Die Übereinstimmung war mit 85 bis 100 Prozent sehr hoch, berichten die Forscher, unabhängig davon, ob die Selbsttester bei der Anwendung Hilfestellung erhalten hatten oder nicht.

 

Die Sensitivität der Schnelltests liege zwischen 80 und 100 Prozent, die Spezifität zwischen 95,1 und 100 Prozent. Bei diesen Werten ergebe die Testung einer hypothetischen Kohorte von 100 000 Personen mit einer HIV-Prävalenz von 1 Prozent zwischen 0 und 4851 falschpositive sowie zwischen 0 und 200 falschnegative Testergebnisse. Insgesamt seien die Ergebnisse der Bluttests besser als der der Speicheltests, was eventuell an der niedrigeren Konzentration von HIV-Antikörpern im Speichel liegen könnte, vermuten die Forscher. Allerdings kämen bei den Bluttests häufiger Anwendungsfehler vor – vor allem bei der Probennahme. Durch ein verbessertes Design der Tests, verbesserte Beschriftung der Produkte sowie klarere Instruktionen ließe sich die Fehlerrate insgesamt noch weiter senken. /

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