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Bewerbermangel in Apotheken

Stadt – Land – Schluss?

26.04.2017
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Von Cornelia Dölger / Auf dem Land fehlen nicht nur Hausärzte, sondern auch Apotheker. Je kleiner der Ort, desto größer ist die Befürchtung der Pharmazeuten, nicht genügend Bewerber auf freie Stellen zu finden. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), sieht das Problem vor allem in den politischen Rahmenbedingungen. Apotheken müssten aber auch selbst aktiv werden, sagte er der PZ.

Man sollte meinen, der Beruf des Apothekers übe eine große Anziehungskraft auf junge Pharmazeuten aus: Nicht nur genießt er einen hohen sozialen Stellenwert und verspricht ein gutes Einkommen. Er ermöglicht es auch, mit Menschen umzugehen und ihnen zu helfen. Und doch haben Apotheken ein Nachwuchsproblem, wie Umfragen immer wieder zeigen. Vor allem auf dem Land scheint mit der Attraktivität des Apothekerberufs Schluss zu sein.

 

Immer mehr Approbierte

 

An der Anzahl der approbierten Apotheker könne dieser Mangel nicht liegen, denn die habe sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht, sagte Kiefer im Gespräch mit der PZ. Zwischen 2004 und 2014 sei die Zahl um rund 14 Prozent gestiegen – »und der Trend wird sich fortsetzen«.

 

Der Blick in die Zukunft sollte eigentlich optimistisch stimmen: »Der Bedarf an Approbierten steigt weiter, und er kann auch gedeckt werden«, so Kiefer. Umfragen unter Apothekenleitern zeichnen aber ein anderes Bild: Nur etwa ein Viertel der Befragten geht einer Apokix-Erhebung zufolge davon aus, überhaupt einen geeigneten Bewerber für eine neue Stelle zu finden. In kleineren Orten mit weniger als 5000 Einwohnern befürchten sogar 43 Prozent, niemanden zu finden. Dass es eigentlich an Apothekern gar nicht mangelt, überrascht also. »Denn das Gefühl ist ein anderes«, bestätigte der BAK-Präsident.

 

Das Problem sei die Verteilung der Apotheker, und das in doppeltem Sinne, betonte Kiefer. Zwar sei die Anzahl der Apotheker absolut gesehen in den vergangenen Jahren am stärksten in den öffentlichen Apotheken gestiegen, doch anteilsmäßig gewinne der Industriesektor auf der Beliebtheitsskala immer mehr an Bedeutung: Zwischen 2004 und 2014 habe der Zuwachs der Apotheker, die in Pharmaunternehmen ihr Geld verdienen, 57 Prozent betragen. Im Vergleich dazu liege der Zuwachs der Offizin-Apotheker lediglich bei 8 Prozent. Hinzu komme besagte Stadt-Land-Problematik. »Wir haben dort offensichtlich einen Attraktivitätsmangel in der Selbstständigkeit«, sagte Kiefer.

 

Woran kann das liegen? Kiefer sieht das Problem vor allem in den politischen Rahmenbedingungen und verweist auf ein aktuelles Beispiel. »Nehmen Sie die gescheiterten Verhandlungen in der Regierungskoalition zum Rx-Versandverbot.« Einmal mehr hätten Apotheker dadurch erfahren, dass sich die Politik nicht ausreichend für ihre Belange einsetzt. Auch in der E-Health-Gesetzgebung vermisst der BAK-Präsident Einsatz für die Apotheker, etwa beim Medikationsplan. »Wir brauchen viel mehr Entscheidungskompetenz in den Apotheken«, kritisierte er. »Was die Politik von den Apothekern will, ist nicht wirklich klar.«

 

Kleine Betriebe betroffen

 

Kiefer vermutet, dass diese Unklarheit viele Apotheker verunsichert und sie letztlich daran hindert, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen beziehungsweise sich in einer Apotheke vor Ort zu bewerben. Besonders kleinere Betriebe seien betroffen, denn sie bekämen die Folgen von womöglich falschen politischen Entscheidungen am stärksten zu spüren. »Und eine solche Unsicherheit macht das Umfeld nicht gerade attraktiv.«

 

Dabei sei das Gegenteil nötig: Um auch die Arbeitsplätze auf dem Land attraktiv zu gestalten, müssten sich die Rahmenbedingungen ändern, etwa durch eine bessere Honorierung von Notdiensten und anderen Leistungen, die gerade von ländlichen Apotheken erbracht werden müssen. »Wenn der wirtschaftliche Boden gut gedüngt ist, ist das Stadt-Land-Problem gelöst«, so Kiefer.

 

Apotheken müssten aber auch selbst etwas tun, um dem Bewerbermangel entgegenzuwirken. Auf Länderebene sei man längst aktiv, unter anderem durch die Integration von qualifizierten Migranten und Flüchtlingen. »Das ist ein Schritt in die richtige Richtung«, sagte Kiefer. Damit wieder mehr Approbierte die Apotheke als Arbeitsplatz wählen, sei aber auch ein Imagewandel nötig, betonte der BAK-Chef. »Wir brauchen vor allem einen Switch bei der Wahrnehmung des Berufs und der Rolle der Apotheken im Gesundheitswesen.«

 

Dass etwa in vielen Apotheken ein Großteil der Angestellten in Teilzeit arbeitet, habe zweifellos sein Gutes. »Wir reden hier von der nötigen Vereinbarkeit von Familie und Beruf.« Andererseits trage der hohe Anteil an Teilzeitkräften – sowohl bei den Approbierten als auch bei PTA und PKA liegt er bei jeweils 60 Prozent – zu einem zu einseitigen Image des Apothekerberufs bei.

 

Nicht nur mit Teilzeit und Familienfreundlichkeit solle er verknüpft werden, sondern im selben Maße mit Vollzeit und Karriere, forderte der BAK-Präsident. »Dieses Bild ist sonst nicht realistisch.« Die Apotheker seien in einem Dilemma: Einerseits machen sie mit dem beliebten Teilzeitmodell gute Erfahrungen, wie Umfragen regelmäßig belegen. Andererseits, so Kiefer, habe dies zur Folge, dass viele junge Approbierte die Apotheke vor Ort eben nicht zuallererst mit Karriereoptionen verbinden. Zu Unrecht, meint Kiefer. Nicht nur biete der Apothekerberuf interessante Perspektiven, sondern er ermögliche unter den richtigen Rahmenbedingungen auch ein gutes Einkommen. /

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