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Vor 60 Jahren

DNA-Struktur entdeckt

23.04.2013  14:40 Uhr

Von Christina Horsten, dpa / Rund zwei Jahre rätselten sie, dann fiel es den Forschern Crick und Watson schlagartig auf: Die Struktur des Erbmaterials gleicht einer in sich gedrehten Strickleiter. Vor genau 60 Jahren präsentierten sie ihren Durchbruch erstmals der Öffentlichkeit.

In leicht schräger Schrift bringt Francis Crick seine Freude zu Papier. »Wir sind sehr aufgeregt«, schreibt er an seinen damals zwölfjährigen Sohn Michael. »James Watson und ich haben wahrscheinlich eine sehr wichtige Entdeckung gemacht.« Mit Strichen und Kreisen versucht Crick seinem Sohn die Entdeckung zu erklären: »Des–oxy–ribo–nukelin–säure, kurz DNA.« Nur wenige Tage zuvor hatten Crick und Watson nach fast zwei Jahre dauernder Knobelei die Struktur des Erbmaterials entschlüsselt. Die Entdeckung, die heute als eine der bedeutendsten in der Geschichte der Wissenschaft gilt, wurde vor 60 Jahren erstmals im Fachmagazin »Nature« beschrieben.

Auf noch nicht einmal zwei ganzen Seiten erklären die beiden jungen Forscher in dem Artikel die »Grundlage des Lebens«: Das Erbmaterial DNA (engl. Deoxyribonucleic acid) habe die Struktur einer sogenannten Doppelhelix, einer spiralförmig gedrehten Strickleiter, deren Sprossen jeweils aus zwei Bausteinen bestünden. »Diese Struktur hat neuartige Eigenheiten, die für die Biologie von großem Interesse sind«, schreiben Watson und Crick. »Es ist uns nicht entgangen, dass die Paarbildung, die wir beschreiben, sofort einen möglichen Kopiermechanismus für das genetische Material andeutet.«

 

Statt zu experimentieren, hatten die beiden Experten Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler zusammengefügt. Bekannt war: Das Erbgut enthält jeweils gleich viele Teile der Basen Adenin (A) und Thymin (T) sowie Guanin (G) und Cytosin (C). Crick und Watson fanden heraus, dass A und T sowie G und C sich jeweils zu einer Art Leitersprosse miteinander verbinden und die gewundenen Ketten aus Phosphat und Zucker die Sprossen zusammenhalten. Mithilfe von Enzymen kann sich die Struktur selbst verdoppeln. Den »zugrundeliegenden Kopiermechanismus, der Leben aus Leben entstehen lässt«, nennt Crick die Entdeckung in dem Brief an seinen Sohn. Sie legte die Basis für die gesamte Gentechnik und machte gezielte Eingriffe ins Erbgut möglich. Wichtige Vorarbeit hatten die Forscher Maurice Wilkins und Rosalind Franklin geleistet, deren Röntgenbilder gezeigt hatten, dass die Struktur der DNA zweier umeinander gewundener Ketten ähnelt. 1962 erhielten Watson, Crick und Wilkins gemeinsam den Nobelpreis für Medizin. Franklin war vier Jahre zuvor an Krebs gestorben.

 

Auch Crick und Wilkins sind inzwischen tot. Der heute 85-jährige Watson, der 2007 nach rassistischen Äußerungen von seiner Funktion als Kanzler des renommierten Cold Spring Harbor Laboratoriums nahe New York zurückgetreten war, zog sich aus der Öffentlichkeit zurück. Anfang April zeigte sich der Molekularbiologe, den das »Time«-Magazin unter die 100 einflussreichsten Menschen des 20. Jahrhunderts wählte, dann aber doch in New York. Der Brief, den Crick damals vor 60 Jahren an seinen Sohn Michael geschrieben hatte, wurde für die Rekordsumme von mehr als sechs Millionen Dollar (etwa 4,6 Millionen Euro) versteigert, und Watson saß im Publikum. /

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