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Krankenhausbehandlungen

Weltmeister bei Hüftgelenk-OPs

16.04.2013
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Von Stephanie Schersch / In Deutschland wird deutlich mehr operiert als in vielen anderen Industrienationen. Bundes­gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) will nun Fehlanreize in der Vergütung der Kliniken beseitigen.

»In Deutschland steigt die Zahl der Operationen im Krankenhausbereich kontinuierlich an«, sagte Bahr vergangene Woche am Rande einer Konferenz in Berlin. Dort war er mit Experten zusammengekommen, um über die Probleme im Kliniksektor zu diskutieren. Die Mengenausweitung lasse sich nicht allein durch die wachsende Zahl älterer Menschen und auch nicht durch den medizinischen Fortschritt erklären. »Wir müssen uns die Frage stellen, ob nicht auch Fehlanreize bestehen«, so Bahr.

Deutlich mehr Krebsbehandlungen

 

Die Konferenz hat das Bundesgesundheitsministerium gemeinsam mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veranstaltet. Diese hatte zuvor einen Bericht erstellt, demzufolge Deutschland bei der Zahl der Krankenhausbehandlungen und Operationen weltweit Spitzenpositionen belegt. So kommen hierzulande 240 Krankenhausfälle auf 1000 Einwohner, der OECD-Durchschnitt liegt bei gerade einmal 155 Behandlungen. In keinem anderen Land werden darüber hinaus so viele Hüftgelenks-Operationen vorgenommen, auch bei den Bypass-Operationen liegt die Bundesrepublik weit vorn. Krebsbehandlungen im Krankenhaus zählt Deutschland laut Bericht beinahe doppelt so häufig wie der Durchschnitt der OECD-Staaten – und das, obwohl Krebs hierzulande nicht häufiger vorkommt als in anderen Ländern.

 

Der vergleichsweise leichte Zugang zu Krankenhausleistungen sei zwar eine Stärke des deutschen Gesundheitssystems, betont die OECD. Es gebe aber auch Fehlentwicklungen. So könnte die große Zahl der Krankenhaus­betten die Mengenausweitung begünstigen, heißt es. 8,3 Betten kommen hierzulande auf 1000 Einwohner – da­rüber liegen nur Korea und Japan. Die OECD hält zudem die Kontrollen über die Finanzen der Kliniken für vergleichsweise schwach.

 

Im vergangenen Jahr hat die Gesetzliche Krankenversicherung rund 62 Milliarden Euro für Krankenhausbehandlungen bezahlt. In Deutschland läuft die Finanzierung dabei im Wesentlichen über Pauschalen. Je nach Erkrankung des Patienten und Art des Eingriffs erhalten die Kliniken einen bestimmten Betrag. Aus Sicht der Kassen setzt das System die falschen Anreize. Sie fordern, die Vergütung künftig stärker an die Qualität der Behandlung zu knüpfen. Dafür plädiert auch die OECD in ihrem Bericht. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft nannte diesen Vorschlag wenig hilfreich, da entsprechende Qualitätsindikatoren fehlten.

 

Gesundheitsminister Bahr will nun der Frage nachgehen, »welche Anreize gesetzt werden können, damit die Kliniken profitieren, die eine gute Behandlung anbieten und nicht die, die einfach nur mehr operieren«, sagte er. Lösungswege sollen unter anderem im Rahmen eines Forschungsauftrags entwickelt werden. Bis Ende Juni sollen die Ergebnisse vorliegen. /

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