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Kariesprophylaxe

Fluoride vom ersten Milchzahn an

15.04.2008
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Kariesprophylaxe

Fluoride vom ersten Milchzahn an

Von Elke Wolf, Frankfurt am Main

 

Dass der lokale Einsatz von Fluoriden in der Kariesprophylaxe der systemischen Applikation vorzuziehen ist, ist bekannt. Relativ neu ist die Erkenntnis, dass Fluoridlacke bereits beim ersten Durchbrechen der Milchzähne aufgetragen werden sollten.

 

Fluoride wirken in erster Linie durch direkten Kontakt mit der Zahnhartsubstanz karieshemmend. Deshalb ist man in den vergangenen Jahren davon abgekommen, frisch gebackenen Müttern bei der dritten Vorsorgeuntersuchung des Säuglings (U3) in der vierten Lebenswoche zur Fluoridsubstitution mittels Tabletten zu raten. Die Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) rät nur zu Fluorid-Supplementen in Form von Tabletten, wenn keine fluoridhaltige Zahnpasta und kein fluoridhaltiges Speisesalz verwendet werden. Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne sollten Kinderzahnpasten mit maximal 0,05 Prozent Fluorid auf die Bürste kommen. Kinder ab 6 Jahren können auf Erwachsenen-Zahncremes umsteigen. Auch höher dosierte Fluoridlacke, -lösungen oder -gele sollten im Kindesalter nur zum Einsatz kommen, wenn es der Zahnarzt ausdrücklich empfohlen hat. So die derzeitigen Empfehlungen.

 

Studien der vergangenen Jahre untermauern jedoch, dass man Fluoridlacke zur Kariesprophylaxe im Vorschulalter großzügiger einsetzen sollte. Signifikant mehr Kinder werden dadurch vor Karies bewahrt als die, die nur mit fluoridierter Zahnpasta vorbeugen. Und: Das Auftragen von Fluoridlacken durch den Zahnarzt kann umso effektiver Karies verhüten, je früher es erfolgt. Professor Dr. Annerose Borutta von der Universität Jena sprach sich auf einer Pressekonferenz der Gaba GmbH dafür aus, Fluoridlacke bereits bei Kleinkindern unmittelbar nach dem Durchbruch der ersten Milchschneidezähne aufzutragen. »Nur so lässt sich die frühkindliche Karies, die ein wesentlicher Grund für die unbefriedigende Mundgesundheit bei Kindergartenkindern ist, vorbeugen.«

 

Bei indikationsgerechter Anwendung seien Fluoridlacke toxikologisch unbedenklich. Die Lacke können bei Kindern und Jugendlichen unabhängig von anderen Fluoridierungsmaßnahmen aufgetragen werden. Risikokinder für Karies sollten damit öfter als die üblichen zweimal pro Jahr behandelt werden. Dann sei der kariesreduzierende Effekt noch größer.

 

Fluoridlacke (wie Duraphat®), die anders als Gele oder Lösungen, nur vom Zahnarzt aufgetragen werden können, hinterlassen einen ausgeprägten Calciumfluoridmantel auf dem Zahnschmelz. Der Lack muss mindestens vier Stunden einwirken können, dann nimmt die Menge strukturell gebundenen Fluorids im Zahnschmelz zu. Dadurch werden auch freiliegende Dentinkanälchen verschlossen, und hypersensible Zahnhälse reagieren weniger empfindlich. Auch einen gewissen erosionshemmenden Effekt schreibt man der Fluoridierung zu. Die Calciumfluoriddeckschicht löst sich im Verlauf der Zeit pH-abhängig auf, entweder durch Nahrungsaufnahme oder durch Zähneputzen. Bei zweimal jährlicher Anwendung findet man zwei Jahre nach Beendigung der Applikation immer noch einen erhöhten Fluoridgehalt im Zahnschmelz.

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