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Schlafmangel hat ernste Folgen

18.04.2006
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Schlafmangel hat ernste Folgen

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Chronischer Schlafmangel ist eines der größten und gleichzeitig stark unterschätzten Gesundheitsprobleme in der westlichen Welt. Er kostet nicht nur Geld, sondern auch Menschenleben.

 

Allein in den Vereinigten Staaten verursacht Schlafmangel Kosten von mehreren hundert Milliarden US-Dollar pro Jahr. Dies ist das Ergebnis eines Berichts des Institute of Health, den ein Ausschuss von Experten erarbeitet hat. Durch langes Fernsehen oder spätes Arbeiten verbringen immer mehr Menschen immer weniger Zeit im Bett. Obwohl allgemein bekannt ist, dass zu wenig Schlaf gesundheitsschädlich ist, erkennen Ärzte und Forscher erst jetzt, welche gesundheitlichen Auswirkungen Übermüdung wirklich hat. Das Ausmaß chronischen Schlafmangels sei selbst für Experten »schockierend«, heißt es in dem Report. Mehr als 70 Millionen Amerikaner litten an Schlafstörungen wie chronische Insomnie, Narkolepsie oder Schlafapnoe, deutlich mehr noch an chronischem Schlafmangel. Dabei ist ein erholsamer Schlaf für die Gesundheit nach Expertenmeinung ebenso wichtig wie Ernährung und Bewegung.

 

Die meisten Menschen benötigen zwischen sieben und neun Stunden Schlaf pro Tag, um die körperlichen und geistigen Kräfte zu regenerieren. Wer weniger schläft, lebt nachweislich kürzer und hat auch unter einer Reihe von gesundheitsschädlichen Auswirkungen zu leiden. Aktuellen Studien zufolge erhöhen chronischer Schlafmangel sowie Schlafstörungen das Risiko für Diabetes, Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Zusammenhänge sind allerdings noch nicht geklärt.

 

Gefährliches Einnicken

 

Schlafmangel kann auch direkte Konsequenzen haben. So spielt bei etwa 20 Prozent der schweren Verkehrsunfälle Übermüdung der Fahrer eine Rolle. Bei Unfällen mit Lastwagen sollen es sogar 30 bis 40 Prozent sein. Nach Schätzungen der »Sleep Research Society« nicken in den USA etwa 80.000 Menschen pro Tag am Lenkrad kurz ein und gefährden damit sich und andere. Doch trotz dieser hohen Zahl würde kaum über die Gefahren von Übermüdung am Steuer aufgeklärt, kritisiert die Gesellschaft. »Das Bewusstsein für die Risiken von schlaftrunkenem Fahren ist heute so groß wie das für Trunkenheit am Steuer vor 30 Jahren«, sagt Charles Czeisler von der Harvard Medical School in Cambridge, Massachusetts, Vorsitzender der »Sleep Research Society«.

 

Enorme Ausfälle

 

Die wahren Kosten von Schlafmangel zu errechnen ist schwierig. Einer Schätzung zufolge gehen US-amerikanischen Firmen jedes Jahr 150 Milliarden Dollar verloren, weil ihre Mitarbeiter in Unfälle verwickelt sind, »blau machen« oder in ihrer Leistungsfähigkeit eingeschränkt sind.

 

Viele Probleme ließen sich schon durch eine verbesserte Schlafhygiene lösen, zum Beispiel durch den Verzicht auf zu viel Coffein oder Fernsehen im Bett. Außerdem sei weitere Grundlagenforschung nötig, um die im Schlaf ablaufenden Prozesse und die Zusammenhänge zwischen Übermüdung und Erkrankungen wie Diabetes verstehen zu können, meinen die Experten des Ausschusses. Sie empfehlen weiterhin, eine Aufklärungskampagne zu initiieren, die sowohl Mediziner als auch die Bevölkerung über die ernsten Konsequenzen von Schlafmangel informiert. Noch gilt es als schick, viel zu arbeiten und mit möglichst wenig Schlaf auszukommen.

 

Quelle: Colten, H., et al., Sleep Disorders and Sleep Depriviation: An Unmet Public Health Problem. Natl Acad Press. 2006.

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