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Kreativität

So locken Sie gute Ideen an

12.04.2017
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In welchem Umfeld entstehen neue Ideen und was ist die Voraussetzung für Kreativität? Diese Fragen beleuchtete Neurowissenschaftler Henning Beck (Foto) beim PZ-Management-Kongress in Palma de Mallorca.

 

Dabei verglich er das Gehirn mit einem Hochleistungscomputer, dem gegenüber das Gehirn enorm langsam, fehlerhaft und eitel erscheine. Das für die Kreativität wichtige Prinzip vom Fehlermachen, Scheitern und Umdenken beherrschten Computer aber nicht. Auch könnten sie nicht selbstständig Fragen stellen.

Das Besondere am menschlichen Gehirn sei, dass bei ihm Hard- und Software dasselbe sind, nämlich die Vernetzung und Synchronisation von 80 Milliarden Nervenzellen. »Ein Gedanke ist nicht irgendwo im Gehirn gespeichert, sondern entsteht durch gleichzeitige Aktivität von Nervenzellen.« Kleine Gruppen von Nervenzellen sind zu sogenannten Expertengruppen verbunden, die wiederum mit Neuronen in allen Regionen des Gehirns verknüpft sind. Diese Verknüpfungen in andere Regionen sind für die Kreativität essenziell.

 

Aktuellen Erkenntnissen der Hirnforschung zufolge ist für Kreativität ein Rhythmus aus Konzentration und Fokus auf das Problem, Kommunikation darüber, Pausen zur Entspannung und anschließender Rückkehr zum Problem notwendig. »Die besten Ideen kommen beim Duschen, Bügeln oder Autofahren«, so Beck. Das sei kein Zufall. »In der Entspannung aktivieren wir unsere Expertengruppen im Gehirn.« Dadurch entstehen neue Muster von synchronisierten Nervenzellen, also neue Gedanken. Diese Muster müssen über mehrere Millisekunden bestehen, damit der Gedanke ins Bewusstsein gelangt. Pausen machen und sich langweilen ist also gut für die Ideenfindung.

 

Wichtig sei zudem, gesammeltes Wissen zu hinterfragen und neu zu verknüpfen. Dafür gelte es, aus der »Echokammer« der eigenen Meinung auszubrechen. In Studien habe sich gezeigt, dass die besten Ideen nicht von den am besten ausgebildeten Mitarbeitern oder von denen mit den meisten Kontakten stammten, sondern von den Mitarbeitern, die an den Schnittstellen im Unternehmen saßen. »Je unterschiedlicher das Umfeld, desto besser die Kreativität.«

 

Es habe sich aber auch gezeigt, dass sich Brainstorming zur Ideenfindung weniger gut eignet als dazu, ein Problem herauszuarbeiten, das es zu lösen gilt. »Ein Problem, das einen ärgert.« Denn Ärger ist laut Beck ein guter Ansporn für die Ideenfindung: »Zufriedene Menschen verändern nicht die Welt.«

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