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Vogelgrippe

Neue Variante von H7N9 in China

09.04.2013
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Die Meldungen erinnern an vergangene Epidemien: In China breitet sich ein neues Vogelgrippe-Virus aus. Es hat bereits sieben Todesopfer gefordert. Die neue Variante des Influenza(A)-H7N9-Virus scheint sich an den Menschen anzupassen und ist in Vögelpopulationen kaum zu entdecken.

Täglich registrieren die chinesischen Behörden neue Fälle von H7N9-Infektionen. Die Zahl der Infizierten stieg mittlerweile auf mindestens 24, sieben Menschen starben. Die ersten beiden Fälle, zwei Männer im Alter von 87 und 27 Jahren aus Shanghai, erkrankten bereits in der zweiten Februarhälfte und starben Anfang März.

Die Infizierten stammen aus verschiedenen Provinzen des Landes, es gebe keine epidemiologische Verbindung zwischen ihnen, berichtet die chinesische Behörde für Infektionsschutz China CDC. Wie sie sich ansteckten, ist bislang noch unklar. Mehrere Erkrankte arbeiteten offenbar in der Tierzucht oder im Lebensmittelhandel.

 

Alle Betroffenen litten unter Husten und Fieber gefolgt, von einer schweren Lungenentzündung und Atemnot. Bei einem der ersten Patienten, dem 87 Jahre alten Mann, waren zuvor zwei Söhne an Pneumonie erkrankt. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung könne nicht ausgeschlossen werden, genauso wenig wie eine Infektion aus derselben Infektionsquelle, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in einer Mitteilung. Im Augenblick könne die Frage nach der Mensch-zu-Mensch-Übertragung noch nicht beantwortet werden, die Fälle würden weiter untersucht. Die europä­ische Infektions­schutz­behörde ECDC schätzt das Risiko einer Verbreitung nach Europa »derzeit als gering« ein, schließt aber einzelne aus China eingeschleppte Fälle nicht aus.

 

Gemischtes Genom

 

Bei dem Erreger handelt es sich um ein Influenza(A)-Virus des Subtyps H7N9. Dieser zirkuliert normalerweise in Geflügelpopulationen. Bislang waren keine Infektionen mit H7N9-Viren beim Menschen aufgetreten. Erste genetische Untersuchungen zeigen, dass es sich bei dem nun in China kursierenden Erreger um eine neue Reassortante handelt, also um ein Virus, dessen Erbgut aus verschiedenen Subtypen zusammengesetzt ist. Die Gene für die Oberflächen­proteine Hämagglutinin und Neuraminidase stammen aus einem H7N9-Virus und die übrigen sechs Gensegmente aus einem H9N2-Virus. Die jetzt identifizierte Reassortante wurde bisher weder bei Tieren noch bei Menschen nachgewiesen.

 

Das Hämagglutinin (H7) dieser Reassortante scheint keine hohe Pathogenität bei Geflügel zu besitzen. Betroffene Tiere oder Populationen zeigen keine Symptome und sind daher nur schwierig zu erkennen. »Das macht massive Tests der Tierpopulation nötig«, sagte WHO-Vertreter Michael O'Leary auf einer Pressekonferenz in Peking. »Wir können nur im Labor sehen, ob sie krank sind.« Am 4. April war das Virus erstmals bei Tauben in Shanghai entdeckt worden. Die Behörden begannen daraufhin mit dem Keulen von Geflügel auf einem Großmarkt. Es wurden bisher Tausende Tiere vorsorglich getötet. Die geringe Pathogenität bei Vögeln unterscheidet das neue Virus deutlich von dem in früheren Jahren kursierenden Vogelgrippevirus H5N1. »Bei H5N1 starben besonders Hühner in großer Zahl. Wir konnten den Erreger daher viel leichter in der Population der Tiere verfolgen«, so O'Leary. Mit dem Virus H5N1 hatten sich seit 2003 weltweit mehr als 600 Menschen angesteckt. 371 Infizierte starben.

 

Die genetischen Untersuchungen lassen vermuten, dass sich das neue H7N9-Virus an Säugetiere angepasst hat. Es kann besser an Säugetierzellen binden als andere Vogelgrippe-Viren und auch besser bei normaler Körpertemperatur von Säugern wachsen. Diese ist niedriger als bei Vögeln. Ob es sich so verändern kann, dass es von Mensch zu Mensch übertragbar wird, sei nicht vorherzusagen, schreibt das RKI. Bei anderen Vogelgrippe-Viren wie H5N1 und H7N7 sei dieses Ereignis befürchtet worden, aber letztlich nicht eingetreten.

 

Erhöhte Aufmerksamkeit

 

Das RKI ruft dennoch zur Wachsamkeit auf: Bei Patienten mit schwerer respiratorischer Erkrankung sollten Ärzte eine Reiseanamnese über den Zeitraum von zehn Tagen vor Erkrankungsbeginn erheben. Das sei auch aufgrund des zurzeit kursierenden neuen Coronavirus wichtig. Für das Coronavirus seien Reisen auf die arabische Halbinsel relevant, für das Influenza(A)-H7N9-Virus Aufenthalte in China. Unabhängig von der Reiseanamnese sollten schwere Pneumonien und Atemnotsyndrome immer labordiagnostisch abgeklärt werden, rät das RKI. /

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