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Neurodermitis

Neue Indikation für Antikörper

05.04.2017
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Von Brigitte M. Gensthaler, München / Patienten mit schwerer Neurodermitis können zukünftig auch von monoklonalen Antikörpern profitieren. Dupilumab, ein Inhibitor der Interleukine 4 und 13, erhielt kürzlich die US-Zulassung. Der Interleukin-31-Inhibitor Nemolizumab befindet sich in Phase II der klinischen Prüfung.

Stadiengerechte Hautpflege, topische Corticosteroide, topische Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus und Pimecrolimus und systemisches Ciclosporin A: Darauf basiert in der Regel die Therapie der Neurodermitis. Der quälende Juckreiz wird meist mit Antihistaminika behandelt.

Mit etwa zehnjähriger Verspätung – im Vergleich zur Therapie der Psoriasis vulgaris – kommen nun auch bei Neurodermitis zielgerichtete Thera­pien zum Einsatz. Dabei steht die Behandlung des Juckreizes im Vordergrund, der Defekte in der Hautbarriere fördern kann. »Heute wird diskutiert, ob das atopische Ekzem eventuell die Folge des Kratzens und nicht die Ursache ist«, sagte Professor Dr. Thomas Ruzicka von der Klinik für Dermatologie der Universität München auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Dermopharmazie in München. Ziel sei es, den Juckreiz zu unterdrücken.

 

Ein wichtiges Pruritus induzierendes Zytokin ist das Interleukin IL-31. Es sei kaum nachweisbar bei normaler Haut, aber überexprimiert bei Neurodermitis, so Ruzicka. Der gegen den IL-31- Rezeptor A gerichtete Antikörper Nemolizumab könne bei subkutaner Gabe einmal im Monat den Juckreiz dosis­abhängig um etwa 60 Prozent bessern, berichtete der Dermatologe aus einer kürzlich im Fachmagazin »New England Journal of Medicine« veröffentlichten Phase-II-Studie (DOI: 10.1056/NEJMoa1606490).

 

An der multizentrischen zwölfwöchigen Studie nahmen 264 Patienten mit moderater bis schwerer Neurodermitis teil, die vor allem an Juckreiz und Schlaflosigkeit litten. Sie erhielten Nemolizumab subkutan in Dosen von 0,1 mg, 0,5 mg oder 2 mg per kg Körpergewicht oder Placebo alle vier Wochen. Im Vordergrund der Behandlung stand der Juckreiz, dessen Stärke die Patienten auf einer visuellen Analogskala (VAS) mit 75 von 100 Millimetern angegeben hatten. Alle drei Dosierungen waren signifikant wirksamer als Placebo und es zeigte sich ein dosisabhängiger Effekt. Unter der niedrigsten Dosierung ging der Juckreiz auf der VAS um 43,7 Prozent zurück, unter der mittleren Dosierung besserte sich der VAS-Wert um 59,8 Prozent und unter der höchsten Dosierung kam es zu einer Verbesserung um 63,1 Prozent. In der Placebogruppe kam es zu einer Verbesserung um etwa 20 Prozent. Nemolizumab förderte auch die Abheilung der Hautläsionen: Der Schweregrad des atopischen Ekzems besserte sich um 40 bis 50 Prozent.

 

Aus Zulassungssicht betrachtet einen großen Schritt voraus ist ein weiterer Antikörper. Dupilumab (Dupixent®) erhielt vergangene Woche die US-Zulassung. Auch für Europa ist die Zulassung beantragt: Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte im vergangenen Dezember einen entsprechenden Antrag zur Prüfung angenommen.

 

Professor Dr. Diamant Thaçi vom Uni­klinikum Schleswig-Holstein stellte den Antikörper auf einem von Sanofi-Aventis Deutschland unterstützten Symposium bei der GD-Jahrestagung näher vor. Dupilumab ist ein humaner Antikörper gegen die identische α-Untereinheit von IL-4- sowie IL-13- Rezeptoren und unterbricht somit die IL-4- und IL-13-gesteuerte Signalkaskade.

 

Hautbild verbessert

 

Die Zulassung beruht unter anderem auf den Phase-III-Studien SOLO-1 und -2 (»New England Journal of Medicine« 2016, DOI: 10.1056/NEJMoa1610020). Die rund 1380 Patienten mit moderater bis schwerer atopischer Dermatitis wurden in drei Studienarme aufgeteilt. Eine Gruppe erhielt wöchentlich Dupilumab 300 mg, eine zweite Gruppe Dupilumab 300 mg alle zwei Wochen (dazwischen Placebo) und eine dritte Gruppe Placebo.

 

Die Ergebnisse nach 16 Wochen waren in beiden Studien sehr ähnlich. Das Verum führte bei 36 bis 38 Prozent der Patienten zu einer (fast) erscheinungsfreien Haut. Unter Placebo waren es 8 bis 10 Prozent. Signifikant mehr Patienten erreichten unter Dupilumab eine mindestens 75-prozentige Verbesserung im Eczema Area and Severity Index (EASI). Zudem nahmen Juckreiz, Ängstlichkeit und Depressionen ab und die Lebensqualität stieg. Lokalreaktionen an der Injektionsstelle und Konjunktivitis traten unter Dupilumab häufiger auf. /

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