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Klinikinfektionen

Länder wollen mehr Geld für Screening

01.04.2015
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Von Stephanie Schersch / Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz drängen auf mehr Anstrengungen im Kampf gegen Krankenhauskeime. Die beiden Länder haben im Bundesrat einen Antrag gestellt. Demnach soll sich die Länderkammer in einer sogenannten Entschließung für eine bessere Finanzierung von Screening-Untersuchungen aussprechen.

In Deutschland sorgen resistente Erreger in Kliniken immer wieder für Probleme. Jedes Jahr sterben bis zu 15 000 Menschen an einer nosokomialen Infektion. Helfen könnten mikrobiologische Untersuchungen, bei denen Patienten bei ihrer Aufnahme in ein Krankenhaus auf Erreger getestet werden. 

 

Doch für diese Checks erhielten Kliniken derzeit zu wenig Geld, heißt es in dem Antrag. Die Bundesregierung müsse daher die Möglichkeit schaffen, entsprechende Screenings über ein Sonderhonorar zu vergüten.

 

Die Bundesländer verweisen dabei auf die sogenannte Kommission für Krankenhaus­hygiene und Infektionsprävention. Sie erstellt regelmäßig Empfehlungen zur Vermeidung nosokomialer Infektionen und rät unter anderem zum Screening. Die Vorschläge der Kommission würden als fachlicher Maßstab gelten und seien von medizinischem Personal grund­sätzlich zu beachten, schreiben die Länder. Bislang würden Screening-Untersuchungen über das System der Fallpauschalen im Krankenhaus jedoch nicht ausreichend finanziert. So sei nicht sichergestellt, dass alle Kliniken den Vorgaben folgten.

 

Bereits heute können Kliniken, Krankenkassen und Vertragsärzte Modellprojekte vereinbaren, in deren Rahmen Patienten vor geplanten Klinikaufenthalten auf bestimmte multiresistente gramnegative Erreger getestet und die Untersuchungen gesondert finanziert werden. Aus Sicht der Länder reicht das aber nicht aus. Auf die Ergebnisse dieser Modellversuche könne man nicht warten, schreiben sie in ihrem Antrag. Darüber hinaus müsse sichergestellt werden, »dass eine Finanzierung des Screenings auch jenseits des präklinischen Bereichs erfolgt«.

 

Nach der Vorstellung des Antrags im Plenum der Länderkammer wird der Bundesrat nun zunächst in den Ausschüssen weiter über das Thema beraten. Mit dem Problem multiresistenter Keime beschäftigt sich auch Bundes­gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) derzeit. In der vergangenen Woche hatte er einen Zehn-Punkte-Plan zur Bekämpfung von Antibiotika-Resistenzen vorgelegt. /

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