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Asienreisen

Dicke Luft und Diarrhö

01.04.2015
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Von Annette Mende, Berlin / Eines der größten Gesundheits­- risiken bei Reisen nach Asien ist die Diarrhö, meist ausgelöst durch bakterielle Erreger. Daneben wird in den Megastädten der Smog ein immer größeres Problem. Die Malaria ist dagegen auf dem Rückzug.

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – Rückkehrer aus Asien meist notgedrungen auch Details über die dortigen Örtlichkeiten, denn viele fangen sich unterwegs eine Reisediarrhö ein.

»Auch wenn sich die hygienischen Bedingungen vielerorts verbessert haben und die Inzidenz dadurch gesunken ist, bleibt der Durchfall das häufigste Reiserisiko in Asien«, sagte Professor Dr. Robert Steffen von der Universität Zürich. Er sprach beim reisemedizinischen Symposium des Centrums für Reisemedizin am Rande der ITB in Berlin, das in diesem Jahr den Schwerpunkt Asien hatte.

 

Die Erreger des Reisedurchfalls in asiatischen Ländern sind in 94 Prozent der Fälle Bakterien, informierte Steffen. Häufig handele es sich zudem um Mehrfach-Infektionen. 60 Prozent der Rückkehrer, die unterwegs an Diarrhö erkrankt waren, brächten ESBL-positive Keime mit nach Hause, also Erreger mit Extended Spectrum β-Laktamasen. »Bei denjenigen, die ihre Diarrhö mit Antibiotika behandelt haben, sind es 80 Prozent«, so der Referent. Diese Resistenzen sind in Asien so verbreitet, dass sie sogar bei einem knappen Drittel der Reisenden, die überhaupt nicht unter Durchfällen litten, gefunden werden.

 

Malariarisiko ist gesunken

 

Bestand in früheren Zeiten noch ein großes Risiko, sich als Asienbesucher mit Malaria zu infizieren, ist dieses in den letzten Jahren drastisch gesunken. »Das ist vor allem der Initiative Roll Back Malaria zu verdanken, die unter anderem von Großspendern wie Bill Gates finanziert wird«, sagte Steffen. In Asien sei man bei der Bekämpfung der Erkrankung schon viel weiter als in Afrika: Von 198 Millionen Fällen, die die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2013 registrierte, entfielen mehr als 70 Prozent auf Afrika südlich der Sahara und nur noch ein Viertel auf Südostasien. Im selben Jahr starben laut WHO 584 000 Menschen weltweit an der Erkrankung, davon 528 000 in Afrika.

 

Was im Großen gilt, muss allerdings im Kleinen nicht unbedingt zutreffen, denn auch in Asien gibt es noch einige Gebiete mit intensiver Malaria-Übertragung. Steffen nannte Afghanistan, den Jemen, Pakistan sowie Nordost­indien, Myanmar und Bangladesch. Urlauber oder Geschäftsreisende tun deshalb gut daran, sich vor Reiseantritt über das Risiko im Zielgebiet zu informieren. Die Chemoprophylaxe mit Doxycyclin, Atovaquon/Proguanil oder Mefloquin biete 90-prozentigen Schutz. Aufgrund der verbreiteten Artemisinin-Resistenz dürfe dieses Medikament in Südostasien nicht mehr als Monotherapie, sondern stets nur in Kombination eingesetzt werden.

 

Die konsequente Anwendung von Repellenzien sowohl nachts als auch am Tag ist in jedem Fall zu empfehlen, denn nicht nur die diversen Plasmodium-Arten, sondern auch das Dengue-Virus wird von Stechmücken übertragen. Diese sind allerdings im Gegensatz zu den Malaria-übertragenden Anopheles-Mücken tagaktiv. Das Denguefieber hat laut Steffen die Malaria unter den durch Vektoren übertragenen Krankheiten vom ersten Rang verdrängt.

 

Hohe Feinstaub-Belastung

 

Ein Gesundheitsrisiko, von dem spätestens seit den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking auch eine breite Öffentlichkeit weiß, ist die Feinstaub-Belastung in asiatischen Großstädten. 

Diese liegt zum Teil deutlich über der Grenze von 300 μg/m3, ab der die Luftverschmutzung mit Partikeln kleiner als 10 μm (PM10) auch für Gesunde als gefährlich eingestuft wird. Das berichtete Dr. Axel Telzerow, der als Allgemein- und Arbeitsmediziner längere Zeit in China tätig war.

 

Laut WHO soll die Feinstaub-Konzentration im Jahresmittel 20 μg/m3 nicht überschreiten, die EU und auch China lassen eine doppelt so hohe Belastung zu, wobei diese Grenzen nicht nur in asiatischen Städten häufig überschritten werden. Trotz der offiziellen Grenzwerte gilt: »Die WHO nennt keinen Schwellenwert, unterhalb dessen Feinstaub gänzlich ungefährlich ist«, so Telzerow. Die als Karzinogen eingestuften Feinstaub-Partikel dringen aufgrund ihres sehr geringen Durchmessers tief in die Lunge ein – diese hat keinen Reinigungsmechanismus für Partikel unter 2,5 μm – und gelangen über den Blutkreislauf in die inneren Organe.

 

»Kurzfristig führt die extrem hohe Feinstaub-Belastung, wie wir sie in Peking und anderen Megacities Asiens haben, zu Augen- und Nasenreizungen, trockenem Husten und Einschränkungen der Lungenfunktion«, sagte Telzerow. Diese Effekte seien schon nach einigen Tagen zu spüren. Langfristig litten vor allem Kinder vermehrt unter Bronchitis und einer Lungenreifungsstörung, Erwachsene unter Lungenfunktionseinschränkungen, die sich in einer Abnahme des Peak Flows (maximale Strömungsgeschwindigkeit beim Ausatmen) ausdrückten. Auf Dauer wirke sich die schlechte Luft direkt Lebenszeit-verkürzend aus, insbesondere über einen Anstieg der Lungenkrebs-Sterblichkeit, aber auch durch eine Zunahme der kardiovaskulären Mortalität.

 

Belastung für Herz und Kreislauf

 

Patienten mit vorbestehenden Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD können unter diesen Bedingungen bereits nach kurzer Zeit Probleme bekommen. Je länger der Aufenthalt, desto relevanter wird auch die Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Dies gelte es etwa bei der reisemedizinischen Beratung vor beruflich bedingten Auslandseinsätzen zu beachten, die ja in der Regel länger dauern als eine Urlaubsreise.

 

Atemmasken seien eine Möglichkeit, das Gesundheitsrisiko zu umgehen. Allerdings sind Masken mit entsprechender Filterfunktion nicht billig, unbequem und erschweren das Atmen, wenn sie kein Ausatemventil haben. Für die Daueranwendung sind sie daher eher ungeeignet. Wer längere Zeit vor Ort bleiben will oder muss, sollte sich im Internet täglich über die Höhe der Feinstaub-Belastung informieren. Das ist etwa unter http://aqicn.org oder mithilfe diverser Apps über den sogenannten Air Quality Index möglich. Telzerow empfahl, Aufenthalte im Freien bei hohen Feinstaub-Werten auf ein Minimum zu beschränken und auch nur dann zu lüften, wenn die Belastung es zulässt. /

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