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Krebstherapie

Wie teuer ist teuer?

28.03.2018
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Von Daniel Rücker / Die Zahl neuer Medikamente zur Behandlung von Krebs steigt derzeit rasant. Der Spagat zwischen medizinischem Fortschritt und ökonomischen Problemen wird dabei immer schwieriger. Denn die Kosten für Onkologika explodieren. Eine wirkliche Lösung ist nicht in Sicht.

Kaum eine medizinische Indikation wächst so dynamisch wie die Tumor-Therapie. Mit dem steigenden Angebot an neuen Medikamenten wachsen aber auch die Kosten für diesen Therapiebereich. Was für die Patienten ein Segen ist, betrachten die Vorstandsvorsitzenden der Krankenkassen auch mit einem weinenden Auge. Denn die explodierenden Kosten für onkologische Medikamente belasten die Kassenbudgets zunehmend.

 

Die Ausgaben für Arzneimittel steigen. Dennoch geht der Trend nicht immer ungebremst nach oben. Im Gegenteil: Die Arzneimittelausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) sind in den vergangenen Jahren immer moderater angestiegen. Im Jahr 2014 legten sie um 8,9 Prozent zu, ein Jahr später schrumpfte das Wachstum auf 5 Prozent, 2015 waren es noch 3,8 Prozent und ein Jahr darauf 3,1 Prozent. Das ist weniger als der in der Rahmenvorgabe von Ärzten und Krankenkassen erwartete Anstieg um 3,2 Prozent.

 

Finanzielles Risiko

Diese Entwicklung kann man auch umgedreht interpretieren. Die Preise steigen immer noch, aber sie steigen etwas langsamer. Sicherlich sind viele Krebsarzneimittel zum Teil ungerechtfertigt teuer, das werden viele Ökonomen unterschreiben. Sechsstellige Preise für ein Medikament sind für die meisten Menschen nicht nachvollziehbar. Die Gewinne großer Pharmaunternehmen belegen, dass es durchaus auskömmlich ist, sich in dieser Branche zu bewegen. Johnson & Johnson konnte 2017 seine Bankkonten um 16,3 Milliarden Dollar auffüllen, bei Gilead kamen 12,2 Milliarden Dollar hinzu und bei Roche blieben 10 Milliarden Dollar in der Kasse hängen. Auf der anderen Seite gehen die pharmazeutischen Unternehmen ein erhebliches finanzielles Risiko ein. Ein Großteil onkologischer Kandidaten kommt nach einer Entwicklungszeit von 10 bis 15 Jahren auf den Markt.

 

Die Onkologika haben daher einen erheblichen Anteil an den Arzneimittelkosten. Ganz vorne liegen dabei die Proteinkinase-Inhibitoren. 27 042 Euro kostet laut Statista eine Behandlung mit diesen Medikamenten. Es folgen monoklonale Antikörper (20 896 Euro) und Hormonantagonisten (19 989 Euro). Keine Frage, das ist viel Geld. Auf der anderen Seite sind die teuren Medikamente auch eine große Chance für Menschen, die bereits einen Tumor haben oder hatten, und für alle diejenigen, die noch Krebs bekommen werden. Das wird in Zukunft jeder Zweite sein. Dafür muss die Versichertengemeinschaft etwa ein Fünfzehntel (rund 6 Prozent) der Gesundheitskosten in diese Indikation investieren.

 

Angesichts der Option auf eine nicht unerhebliche Lebensverlängerung ist dies eine tolerierbare Investition. Zudem zeichnet sich ab, dass die Erforschung von Tumorerkrankungen und deren Behandlung in den kommenden Jahren neue Erfolge bringen wird. Daran dürfte auch die Immunonkologie einen nicht unerheblichen Anteil haben. Nach Angaben des Verbands der forschenden Arzneimittelhersteller sind derzeit mehr als 500 Onkologika in der Testung. Allein im Jahr 2017 kamen hierzulande elf neue Krebsmittel auf den Markt.

 

Es ist nicht einfach, im Milliarden-Markt der Onkologika den Überblick zu bewahren. Rund 700 Millionen Euro hat laut Statista die Barmer GEK im Jahr 2015 für Krebsmedikamente ausgegeben. 2011 waren es noch 500 Millionen Euro. Ist das nun ein Beleg dafür, dass Krebsmedikamente zu teuer sind oder dokumentiert dieser Anstieg, dass es immer mehr innovative und wirksame Medikamente gibt? Wer von einer Krebserkrankung geheilt wurde, wird dies anders bewerten als jemand, der einen Freund oder Angehörigen an die Krankheit verloren hat. Im Jahr 2016 starben Krebskranke laut Robert-Koch-Institut im Durchschnitt mit 74 Jahren. Im Jahr 1980 lag der Durchschnitt bei 70 Jahren.

 

Nicht vergessen darf man, dass zumindest ein Teil der Krebserkrankungen auch auf die persönliche Lebensführung zurückgeht. Mindestens 30 Prozent aller Krebserkrankungen gelten weltweit als vermeidbar – vor allem durch den Verzicht auf das Rauchen, die Vermeidung von starkem Übergewicht, ausreichend Bewegung, keinen oder maßvollen Alkoholkonsum sowie die Vorbeugung durch Schutzimpfungen vor HPV oder Hepatitis. /

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