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Europa

Krebssterberate sinkt weiter

28.03.2018  10:13 Uhr

Von Judith Lorenz / Die Krebssterblichkeit in Europa nimmt seit Jahrzehnten ab. Gemäß einer aktuellen Analyse wird sich dieser Trend im Wesentlichen auch 2018 fortsetzen. Einzige Ausnahme: Die Zahl der Todesfälle aufgrund eines Lungen- oder Pankreas­karzinoms in der weiblichen Bevölkerung wird im laufenden Jahr voraussichtlich ansteigen.

Seit 2011 werten Wissenschaftler aus Italien, der Schweiz und den USA jährlich internationale Daten zur Krebsmortalität aus und erstellen eine Pro­gnose für das jeweils laufende Jahr. Auf Basis der aktuellsten Daten der Welt­gesundheitsorganisation (WHO) sowie der Eurostat-Datenbank prognostizieren sie für 2018 sowohl in der gesamten EU als auch in den sechs bevölkerungsreichsten Staaten Frankreich, Deutschland, Italien, Polen, Spanien und Großbritannien sinkende Sterberaten.

 

1,4 Millionen Sterbefälle

 

EU-weit werden 2018 etwa 1,4 Millionen Menschen ihrem Krebsleiden erliegen, schreiben die Autoren um Matteo Malvezzi von der Universität Mailand in der Fachzeitschrift »Annals of Oncology« (DOI: 10.1093/annonc/mdy033). Im Vergleich zu 2012 entspricht das ­einer Zunahme um 3,6 Prozent. Berücksichtigt man allerdings, dass die Bevölkerung immer älter wird, errechnet sich eine Abnahme der Sterberate um rund 10 Prozent bei Männern und um 5 Prozent bei Frauen.

 

Im Einzelnen gehen die Autoren bei den meisten Tumorerkrankungen, beispielsweise den Leukämien sowie dem Mamma-, Prostata-, Magen-, Blasen- und Ovarialkarzinom, von sinkenden Mortalitätsraten aus. Gleiches gilt für das kolorektale Karzinom, auf dem der Fokus der diesjährigen Analyse liegt: 2018 werden voraussichtlich 6,7 Prozent weniger Männer und 7,5 Prozent weniger Frauen an dieser Tumorerkrankung sterben.

 

Deutschland steht diesbezüglich im europäischen Vergleich sehr gut da. Der Schätzung zufolge werden im laufenden Jahr etwa 14 Prozent weniger Männer und 15 Prozent weniger Frauen an dieser Krebserkrankung sterben. Das liegt vermutlich daran, dass immer mehr Menschen einen gesunden Lebensstil pflegen – Alkohol, Rauchen, Übergewicht, Diabetes und Bewegungsmangel stellen Risikofaktoren für Darmkrebs dar. Auch die Inanspruchnahme von Früherkennungsunter­suchungen sowie Verbesserungen der Therapiemöglichkeiten tragen zu diesem Trend bei. Möglicherweise, so die Wissenschaftler, wirken zudem hormonelle Kontrazeptiva, die perimenopausale Hormontherapie sowie die bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen häufig verordnete Acetylsalicylsäure protektiv.

 

Die Folgen des Rauchens

 

Weniger positiv sehen die Forscher die Entwicklung beim Lungenkrebs, der 2018 an der Spitze der Krebstodesursachen stehen wird. Zwar sank die Mortalität in der männlichen Bevölkerung seit 2012 um 13 Prozent, bei den Frauen stieg sie jedoch um 5,8 Prozent. Der Grund hierfür liegt ihrer Meinung nach im Rauchverhalten der beiden Geschlechter: Frauen zahlen aktuell den Tribut für den im Vergleich zu Männern späteren Anstieg der Raucherzahlen. Auch für den Bauchspeicheldrüsenkrebs wird 2018 ein Mortalitätsanstieg bei Frauen um 2,8 Prozent erwartet, wogegen die Sterblichkeit der Männer diesbezüglich stabil bleiben dürfte. /

Krebs weltweit

Annette Mende / Laut WHO-Statistik geht weltweit etwa einer von sechs Todesfällen auf Krebs zurück. Die Hauptlast, nämlich 70 Prozent der Todesfälle, tragen dabei Länder mit niedrigem und mittlerem Durchschnittseinkommen. Etwa jeder dritte Krebstodesfall hat als Ursache ­einen der fünf führenden Verhaltens-basierten Risikofaktoren: Übergewicht, obst- und gemüsearme Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen und Alkohol. Das Rauchen ist dabei der wichtigste Risikofaktor und alleine für 22 Prozent der Krebs-bedingten Todesfälle verantwortlich. In Entwicklungs- und Schwellenländern spielen auch Krebs-verursachende Infektionserreger wie Hepatitis- oder Humane Papillomaviren eine große Rolle. Sie verursachen dort etwa ein Viertel der Krebstodesfälle. /

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