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Augenlasern

Weg mit der Brille

23.03.2016
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Von Annette Mende / Scharf sehen ohne Brille ist für viele Kurz- oder Weitsichtige ein Traum. Er lässt sich in vielen Fällen mit einer Laserbehandlung erreichen. Das Ganze hat aber Haken: Der Eingriff ist weder billig noch risikolos.

Fehlsichtigkeit entsteht, wenn der Augapfel im Verhältnis zur Brechkraft der Linse zu kurz oder zu lang ist. Bei Kurzsichtigkeit (Myopie) ist er zu lang. Einfallende Lichtstrahlen bündeln sich vor der Netzhaut; der Betroffene sieht in der Ferne verschwommen, in der Nähe aber gut. Bei Weitsichtigkeit (Hyper­opie) ist das Gegenteil der Fall. Die einfallenden Lichtstrahlen bündeln sich aufgrund des zu kurzen Augapfels hinter der Netzhaut, sodass der Betroffene in der Ferne scharf, auf kurze Distanz aber verschwommen sieht.

Mit vorgesetzten Brillengläsern oder auch Kontaktlinsen lässt sich die Fehlsichtigkeit korrigieren: Die Brechung wird so verändert, dass das scharfe Bild direkt auf der Netzhaut entsteht. Denselben Effekt erzielt man, indem man die Wölbung der Augenhornhaut verändert. Zur Korrektur der Kurzsichtigkeit muss die Wölbung verringert, bei Weitsichtigkeit verstärkt werden. Genau das leistet die refraktive Chirurgie, bei deren gebräuchlichsten Verfahren Laser zum Einsatz kommen.

 

LASIK, LASEK oder PRK

 

Die am häufigsten angewandte Methode ist die Laser-in-situ-Keratomi­leusis (LASIK), also eine Hornhaut-Umformung mittels Laser. Dabei wird die Hornhaut zunächst mithilfe eines winzigen Schneidewerkzeugs, des Mikrokeratoms, oberflächlich eingeschnitten. Alternativ zum Mikrokeratom kann auch ein Femtosekundenlaser zum Schneiden verwendet werden; dann wird das Verfahren als Femto-LASIK bezeichnet. Vorher verabreichte Schmerz- und Beruhigungsmittel sowie anästhetische Augentropfen sorgen dafür, dass der Behandelte nichts davon spürt.

 

Durch das Schneiden entsteht ein circa 110 µm dünnes Hornhautscheibchen, ein sogenannter Flap. Dieser wird zurückgeklappt und so die darunter liegende restliche Hornhaut freigelegt. Von dieser wird dann mit einem Excimer-Laser computergesteuert das erforderliche Stück abgetragen – bei Kurzsichtigkeit in der Mitte mehr als am Rand, bei Weitsichtigkeit am Rand mehr als in der Mitte. Auch eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) kann mittels refraktiver Chirurgie korrigiert werden, indem die Wölbung der Hornhaut zur Achse hin verändert wird.

 

Der Durchmesser der abgetragenen Fläche beträgt 6 bis 7 mm. Insgesamt kann die Hornhautdicke um bis zu 20 Prozent verringert werden. Bei einer normalen Dicke von 530 bis 560 µm sind das wiederum etwa 110 µm. Anschließend wird der Flap wieder zurückgeklappt und angedrückt. Er trocknet in der Regel von selbst an und muss nicht befestigt werden.

 

Die Laser-Epithelial-Keratomileusis (LASEK) und ihr Vorläufer, die photorefraktive Keratektomie (PRK), sind zwei weitere Verfahren der refraktiven Chirurgie, die gegenüber der LASIK mittlerweile aber stark an Bedeutung verloren haben. Dabei wird kein Flap gebildet, sondern die Hornhaut mittels Excimer-Laser oberflächlich abgetragen – bei der PRK einfach so, bei der LASEK nachdem die oberste Hornhautschicht mit einer alkoholischen Lösung aufgeweicht und beiseitegeschoben wurde. Insbesondere die LASEK kann eine Alternative zur LASIK darstellen, wenn die Hornhaut so dünn ist, dass kein Flap gebildet werden kann.

 

Mittels LASIK lassen sich eine Kurzsichtigkeit bis -10 Dioptrien, eine Hornhautverkrümmung bis -4 Dioptrien und eine Weitsichtigkeit bis +3 Dioptrien korrigieren. Je ausgeprägter die Fehlsichtigkeit ist, desto geringer ist die Genauigkeit, mit der sich das Ergebnis planen lässt. Auch die Komplikations­rate steigt mit der Dioptrienzahl, die korrigiert werden soll.

 

Die häufigste Komplikation nach einer LASIK sind trockene Augen. Etwa 15 bis 20 Prozent der Behandelten leiden da­ran. Die Beschwerden sind während der ersten Wochen oder Monate nach dem Eingriff besonders ausgeprägt und nehmen dann in der Regel ab. Ebenfalls vor allem während der ersten Wochen oder Monate post OP kann Blendempfindlichkeit auftreten; sie betrifft bis zu 5 Prozent der Behandelten.

 

Trockene Augen und Doppelbilder

Probleme beim nächtlichen Autofahren kann auch die Wahrnehmung von Lichthöfen und Doppelbildern bereiten. Diese kommen zustande, wenn die Pupillen im Dunkeln weit gestellt sind, und Licht auch neben dem abgeschliffenen Bereich der Hornhaut durch den unbehandelten Teil ins Auge fällt. Kurzsichtigkeit über -5 Dioptrien oder Weitsichtigkeit sind Risikofaktoren für diese Komplikation. Bei LASEK und PRK sind auch Schmerzen eine mögliche Nachwirkung der Behandlung, vor allem in den ersten 24 bis 36 Stunden nach dem Eingriff. Diese sind Ausdruck der oberflächlichen Hornhautverletzung.

 

Probleme beim Einschneiden des Flaps bei LASIK sind mit 0,2 bis 0,3 Prozent aller Behandelten relativ selten. Nach der Operation kann es zu einem Einwuchs von Epithel unter den Flap kommen, was Astigmatismus und eine herabgesetzte Sehschärfe zur Folge haben kann. Auch diese Komplikation ist mit weniger als 0,05 Prozent selten. Insbesondere bei Personen mit dünner Hornhaut kann sich diese nach einer LASIK kegelförmig nach außen wölben (Ektasie). Dies muss der Arzt unter Umständen mittels Hornhautvernetzung behandeln oder es wird sogar eine Hornhauttransplantation erforderlich (circa 0,05 Prozent).

 

Um Komplikationen zu vermeiden, darf nach der Operation an dem behandelten Auge nicht gerieben werden. Die regelmäßige Anwendung von antibiotischen Augentropfen dient der Vorbeugung von Infektionen. Nach LASEK oder PRK wird das Auge mit einer Schutzlinse abgedeckt, die circa eine Woche lang im Auge bleibt.

 

Nicht jeder kann sich die Augen lasern lassen. Eine Voraussetzung ist etwa, dass die Fehlsichtigkeit stabil ist, sich also während des vorangegangenen Jahres nicht mehr als 0,5 Dioptrien verändert hat. Für Kinder und Jugendliche unter 18 kommt die refraktive Chirurgie ebenso wenig infrage wie für Patienten mit chronisch fortschreitenden Hornhauterkrankungen, sehr dünner Hornhaut, Grauem oder Grünem Star, ausgeprägten Gesichtsfeldschäden oder fortgeschrittener Makuladegeneration. Auch zur Behandlung der Altersweitsichtigkeit (Presbyopie) eignet sich das Verfahren nicht, da diese ja nicht durch eine Verformung des Augapfels, sondern durch das Nachlassen der Nahanpassung der Linse zustande kommt.

 

Apropos Altersweitsichtigkeit: Jüngere Kurzsichtige, die eine Laserkorrektur in Erwägung ziehen, sollten bedenken, dass sie der Brille höchstwahrscheinlich nur vorübergehend ade sagen können. Spätestens ab 50 Jahren brauchen die meisten Menschen eine Lesebrille; Kurzsichtige können die Altersweitsicht meist noch kompensieren, indem sie einfach die Brille abnehmen, Normalsichtige dagegen nicht.

 

Auch die Kosten sind ein Punkt, der vor einem solchen Eingriff bedacht werden muss. Die Krankenkassen übernehmen sie nicht, es sei denn, der Betroffene kann aus medizinischen Gründen weder Brille noch Kontaktlinsen zur Korrektur seiner Fehlsicht nutzen. Diese Voraussetzung dürfte nur in den seltensten Fällen erfüllt sein.

Keine Krankschreibung

 

Dass Augenlasern allgemein als Lifestyle-Operation ohne medizinische Notwendigkeit gilt, hat auch zur Folge, dass der Arzt den Patienten nach dem Eingriff nicht krankschreiben darf. Dieser ist zwar unter Umständen mehrere Tage nach der OP arbeitsunfähig, hat aber eben keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung. Man sollte für eine Laserbehandlung und die ersten Tage danach deshalb ein paar Tage Urlaub nehmen.

 

Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollte der Behandelte das Honorar für die OP sowie alle erforderlichen Nachuntersuchungen vor dem Eingriff schriftlich mit dem Behandler vereinbaren. Das Internet ist voll von Angeboten diverser Privatpraxen, teilweise ist eine Laser-OP für unter 1000 Euro pro Auge zu haben. Angesichts der Schwere möglicher Komplikationen sollte ein niedriger Preis jedoch nicht das allein ausschlaggebende Argument sein.

 

Doch kann ein Interessierter die Qualität eines Zentrums unabhängig beurteilen? Einen möglichen Anhaltspunkt bieten die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft und der Berufsverband der Augenärzte (BVA). Sie haben zusammen ein Weiterbildungscurriculum für Augenärzte erarbeitet, die diese Dienstleistung anbieten. Auf der Website der gemeinsamen Kommission RefraktiveChirurgie findet sich eine Übersicht über entsprechend weitergebildete Ärzte und Kliniken (www.aad-kongress.de/krc/anwender.php). Auf seiner Website www.cms.augeninfo.de informiert der BVA zudem ausführlich über die Vor- und Nachteile der verschiedenen Laser- und auch sonstiger Verfahren. /

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