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Zytostatika

Apotheker verurteilen AOK-Selektivverträge

23.03.2016
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Von Cornelia Dölger / Der Verband der Zytostatika herstellenden Apotheker (VZA) fordert ein Ende der Ausschreibung von onkologischen Arzneimitteln. Die Politik müsse das »gefährliche Ausschreibungsunwesen« beenden, so VZA-Präsident Klaus Peterseim in einer Mitteilung. Ansonsten drohe das Ende der Qualitätsversorgung von Krebspatienten mit Zytostatika.

 

Jüngst hatte der AOK-Bundesverband europaweit Verträge zur Versorgung mit parenteralen Zubereitungen aus Fertigarzneimitteln ausgeschrieben, die von Apothekern zur unmittelbaren ärztlichen Anwendung bei Krebspatienten hergestellt werden. Peterseim warnte vor »irreparablen Schäden in der wohnortnahen und indiv­iduellen Versorgung Schwerstkranker«.

 

Die Krankenkassen täuschten sich, wenn sie glaubten, mit Zytostatika-Ausschreibungen Kosten zu sparen. Von diesem »Irrglauben« gelte es sich zu verabschieden, heißt es in der Mitteilung mit Blick auf alle Krankenkassen. Das »immer wieder von der AOK Hessen kolportierte Sparpotenzial von einem Drittel« sei reine Illusion. Denn Ausschreibungspreise hätten im Markt längst den Ruf, unterhalb der Kosten zu liegen, und müssten deshalb von anderen Kassen quersubventioniert werden.

 

Im November 2015 hatte das Bundessozialgericht in einem aufsehenerregenden Urteil die freie Apothekenwahl des Patienten bei der Zytostatikaversorgung zugunsten von Selektivverträgen eingeschränkt. Die Ausschreibungspolitik der AOK bestätige nun die befürchteten Folgen des Urteils, warnte der VZA. Der Verband sieht die Politik in der Pflicht: Der Passus des Sozialgesetzbuchs, auf den die Krankenkasse ihre Ausschreibungen stütze, müsse gestrichen werden. Zudem müsse das Patientenwahlrecht und dabei im Besonderen die onkologische Versorgung »umfassend und ausdrücklich« geregelt werden. /

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