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Unerwünschte Arzneimittelwirkung

Schmerzen durch Medikamente

18.03.2015  09:26 Uhr

Von Iris Hinneburg / Quälen Schmerzen in Kopf oder Rücken, liegt der Griff zur Tablette nah. Doch in einigen Fällen können Arzneimittel auch selbst die Ursache für schmerzhafte Beschwerden sein. Wie häufig eine solche Nebenwirkung auftritt, ist von Arzneistoff zu Arzneistoff aber sehr unterschiedlich.

Wer unter Schmerzen leidet, bringt die Beschwerden in der Regel nicht mit seiner medikamentösen Therapie in Verbindung. Doch gerade bei älteren und multimorbiden Patienten ist die Aufmerksamkeit des Apothekers gefordert, damit Nebenwirkungen einer Pharmako­therapie nicht mit einem anderen Arzneistoff behandelt werden, der wiederum unerwünschte Wirkungen mit sich bringt. Diese sogenannte Verordnungskaskade lässt sich nur unterbrechen, wenn das pharmazeutische Personal bei der Beratung in der Selbstmedika­tion den Kundenwunsch nach einem Analgetikum nicht voreilig erfüllt, sondern bei einem entsprechenden Verdacht auch die Medikation des Patienten in den Blick nimmt.

Das gilt beispielsweise bei Schmerzen der Muskeln. Zu den wichtigsten Arzneistoffen, bei denen man mit muskulären Nebenwirkungen rechnen muss, gehören die Statine. Die Beschwerden reichen von leichten Schmerzen und Krämpfen bis hin zur Rhabdomyolyse, einer möglicherweise lebensgefährlichen Schädigung der Skelettmuskulatur, die aber glücklicherweise selten ist.

 

Um gefährliche Verläufe zu verhindern, sollten die Patienten während einer Behandlung mit Statinen auf Muskelschmerzen achten, die nicht auf übermäßige körperliche Belastung zurückzuführen sind. Auch durch Myo­globin dunkel gefärbter Urin gilt als Warnzeichen für Muskelschäden durch Statine – dann ist es ratsam, dass der Patient den Arzt konsultiert. Da die Myo­toxizität vor allem von den Blutspiegeln abhängt, sollte der Apotheker auf mögliche Interaktionen achten: So erhöhen bei einigen Statinen etwa Wechselwirkungen mit Azol-Anti­mykotika, Makrolid-Antibiotika oder Grapefruitsaft das Risiko. Besonders gefährdet sind Patienten mit Nieren­insuffizienz.

 

Tatsächlich nur Muskelkater?

 

Außer bei Statinen finden sich in den Fachinformationen zahlreicher weiterer Arzneistoffe Hinweise auf Muskel- oder Gliederschmerzen, sehr häufig etwa bei Carvedilol, häufig bei Rami­pril, Risperidon oder Citalopram. Wie die Muskelschmerzen entstehen, ist noch nicht in allen Fällen vollständig geklärt. Je nach Arzneistoff werden aber Auswirkungen auf den Muskelstoffwechsel oder Reaktionen des Immunsystems diskutiert.

 

Auch Gelenkschmerzen können als Nebenwirkungen einer Arzneimitteltherapie auftreten. Sehr häufig ist eine Arthralgie beispielsweise bei einer Behandlung mit dem Aromatase-Hemmer Anastrozol oder mit Interferonen beschrieben. Der Mechanismus solcher Arzneimittel-bedingten Arthralgien ist in vielen Fällen unklar. Erklärbar sind aber Gelenkschmerzen bei Arzneistoffen, die die Harnsäure-Konzentration im Blut erhöhen – dadurch kann bei vor­belasteten Patienten ein Gichtanfall mit schmerzhaften Schwellungen der Gelenke entstehen. Solche unerwünschten Arzneimittelwirkungen sind etwa für Thiazid-Diuretika bekannt.

 

Sensorische Neuropathien, die mit Missempfindungen wie Kribbeln, in manchen Fällen auch mit stechenden oder brennenden Nervenschmerzen einhergehen, können ebenfalls durch Medikamente verursacht werden. Besonders häufig treten solche unerwünschten Wirkungen bei Zytostatika wie Platin-Verbindungen, Vinca-Alkaloiden und Taxanen in Abhängigkeit von der Dosis auf. Laut Fachinformation sind sensorische Neuropathien bei einer Behandlung mit Tacrolimus häufig, gelegentlich kommen solche Probleme bei einer Amiodaron-Therapie vor.

 

Kopfschmerzen hinterfragen

 

Bei Kopfschmerzen kann ein Blick in die Medikationsliste manchmal ebenfalls aufschlussreich sein. So ist der sogenannte Nitratkopfschmerz eine sehr häufige Nebenwirkung von Nitraten, die bei Angina pectoris eingesetzt werden. Ähnliche Effekte könne auch bei anderen gefäßerweiternden Substanzen auftreten, etwa Nimodipin oder Phosphodiesterase-Hemmern wie Sildenafil. In manchen Fällen lassen sich Kopfschmerzen mit neurotoxischen Effekten erklären, beispielsweise bei Herzglykosiden. Einige Arzneistoffe können auch den intrakraniellen Druck erhöhen und so zu Kopfschmerzen führen. Dazu gehören beispielsweise Tetra­zykline oder Gyrasehemmer.

 

Nicht zuletzt sollte der Apotheker auch die Selbstmedikation bei Kopfschmerz-Patienten kritisch hinterfragen. Denn bei Dauergebrauch können die Analgetika paradoxerweise selbst Kopfschmerzen verursachen. In solchen Fällen ist eine ärztliche Behandlung nötig. Um solchen Nebenwirkungen vorzubeugen, gehört ein Hinweis zur richtigen Dosierung und zur maximalen Anwendungsdauer unbedingt ins Beratungsgespräch. /

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