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Resistente Erreger

Infektionen sind vermeidbar

11.03.2015
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Die Bundesregierung will die Ausbreitung resistenter Keime in Krankenhäusern eindämmen. Ein Großteil der Klinikinfektionen sei vermeidbar, sagte der Patientenbeauftragte Karl-Josef Laumann (CDU) vergangene Woche in Berlin. Schärfere Gesetze allein könnten das Problem aber nicht lösen.

Laut Bundesministerium für Gesundheit erkranken jährlich 400 000 bis 600 000 Menschen an einer nosokomialen Infektion. 10 000 bis 15 000 Patienten sterben daran.

 

Den Grund dieser Entwicklung sieht Laumann vor allem in einem zu sorglosen Umgang mit Antibiotika. 700 bis 800 Tonnen dieser Präparate kämen jährlich in der Humanmedizin zum Einsatz. »Hier brauchen wir mehr Aufklärung.« Hinzu kommt mangelnde Hygiene in vielen Krankenhäusern. Bereits 2011 hatte die damals schwarz-gelbe Bundesregierung die Hygienevorschriften über ein neues Gesetz verschärft. Tatsächlich habe sich in den Kliniken jedoch kaum etwas getan, sagte Laumann. Er könne daher aktuell auch kein Gesetzesproblem erkennen. »Vielmehr gibt es ein Verhaltensproblem.«

 

Mehr Verantwortung

 

Alle Beteiligten müssten ihrer Verantwortung stärker nachkommen, forderte Laumann. So könnten Patienten etwa zumindest vor planbaren Eingriffen stets auf die Infektion mit einem Erreger getestet werden. Die Kliniken könnten in diesem Bereich unter Umständen konsequenter vorgehen, »ohne eine Kostenlawine loszutreten«.

 

Aus Sicht der SPD-Bundestagsfraktion geht das nicht weit genug. Sie drängt auf schärfere Vorschriften, um das Problem in den Griff zu bekommen. So sollen grundsätzlich alle Patienten künftig vor der Aufnahme in eine Klinik ein Screening auf entsprechende Erreger durchlaufen müssen. Das geht aus einem Beschluss der fraktionsinternen Arbeitsgruppe Gesundheit aus der vergangenen Woche hervor. Darüber hi­naus soll es strengere Meldepflichten für multiresistente Keime geben. Mit einem verpflichtenden Screening werde verhindert, »dass immer wieder neue Keime in die Krankenhäuser gebracht werden«, begründete SPD-Gesundheitsexpertin Hilde Mattheis den Vorstoß. Die Kosten dafür sollen die Krankenkassen tragen.

 

Darüber hinaus fordert die SPD, mehr Personal in Krankenhäusern einzustellen. »Eine angespannte Personaldecke auf den Stationen ist für die sorgfältige Einhaltung von Hygienevorschriften kontraproduktiv.« Das sieht Professor Martin Mielke vom Robert-Koch-Institut ähnlich. Dennoch stehe Deutschland im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht da, sagte er. Vor allem Länder im Mittelmeerraum hätten mit resistenten Erregern deutlich stärker zu kämpfen. »Hier gibt es eine Korrelation mit wirtschaftlichen Problemen.« Deutschland sei im Vergleich dazu immer noch eine »Insel der Seligen«, so Mielke.

 

Vorbild Niederlande

 

Als großes Vorbild im Kampf gegen Krankenhausinfektionen gelten die Niederlande. Dort werden Risikopatienten vor einem Klinikaufenthalt gezielt auf resistente Erreger untersucht und bei Verdacht oder einer nachgewiesenen Infektion isoliert. Darüber hinaus kämen deutlich weniger Patienten auf eine Pflegekraft als in Deutschland, sagte Inka Daniels-Haardt vom Landeszentrum Gesundheit in Nordrhein-Westfalen.

 

Infektionen mit Methicillin-resistentem Staphylococcus aureus seien in den Niederlanden daher vergleichsweise selten. Während dort nur etwa 1 von 1000 Patienten den Erreger in sich trage, seien es in Deutschland 25. Unsere Nachbarn stehen jedoch nicht in jeder Hinsicht besser da. So schneide Deutschland etwa mit Blick auf die Zahl der Pneumokokken-Infektionen deutlich besser ab als die Niederlande, so Daniels-Haardt. /

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