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Pharmaforschung

EU-Förderprogramm in der Kritik

11.03.2015
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Von Ev Tebroke / Ein von der Europäischen Kommission mit 2,5 Milliarden Euro Steuergeldern gefördertes Programm zur Erforschung neuer Medikamente subventioniert letztlich die Pharmaindustrie.

 

Das berichtet »Spiegel online« und bezieht sich dabei auf gemeinsame Recherchen mit Kollegen aus der Schweiz und Belgien. Der sogenannten Innovative Medicine Initiative (IMI), einem Verbund von Hochschulen, kleineren Forschungsinstituten und Arzneimittelherstellern, mangele es an Transparenz, so die Kritik. Die Kontrollorgane der EU hätten keinen Einblick in die Details einzelner Projekte.

 

Ursprünglich sollte die 2009 gestartete IMI dazu dienen, dringend benötigte Medikamente auf den Markt zu bringen. Denn mittlerweile konzentrieren sich Pharmahersteller bei der Forschung und Entwicklung von Medikamenten vor allem auf profitable Behandlungsfelder wie beispielsweise Krebs. Kostenintensive Forschung zu Medikamenten, die weniger Geld in die Kassen der Hersteller spülen, bleibt dabei auf der Strecke.

 

Um das zu ändern, sollten sich die Forschungsbereiche der IMI an den Leitlinien der Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientieren. Diese hatte laut »Spiegel online« unter anderem neue Antibiotika und Medikamente gegen Schlaganfall, Diabetes, Tuberkulose und Depression als dringend benötigt gelistet.

 

Anscheinend verfehlt IMI bislang ihr Ziel: Den Nachforschungen zufolge nutzt die Industrie das Projekt, an dem sie sich mit Sachleistungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro beteiligt, vor allem für die Umsetzung von Eigeninteressen. So häuften sich Forschungsprojekte zu Krebs und Diabetes. Zu Indikationen wie Malaria, Herzerkrankungen und Arthrose werde hingegen gar nicht geforscht. An dem Projekt teilnehmende Wissenschaftler haben demnach kaum Einfluss auf Forschungsinhalte, die Agenda werde allein von den Konsortien des europäischen Pharmaverbands EFPIA entwickelt, heißt es. /

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