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Herzprobleme durch Kaffeekonsum hängen von Genen ab

13.03.2006
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Herzprobleme durch Kaffeekonsum hängen von Genen ab

von Christina Hohmann, Eschborn

 

Kaffeekonsum kann das Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen oder verringern - je nach der genetischen Ausstattung des Einzelnen. Gute Metabolisierer schützt das Getränk, schlechten Metabolisierern schadet es.

 

Schon seit den späten 1990er-Jahren ist bekannt, dass Coffein im Körper durch das Enzym Cyp1A2 abgebaut wird. Dieses kommt in der Population in unterschiedlichen Varianten vor: Menschen, die zwei Kopien der Genvariante Cyp1A2*1A besitzen, können Coffein bis zu viermal schneller abbauen, als homozygote Träger der Cyp1A2*1F-Form.

 

Wie sich dieser Unterschied in der Metabolisierungsrate auf das Herz auswirkt, haben nun kanadische Forscher untersucht. Ahmed El-Sohemy und seine Kollegen von der University of Toronto analysierten die genetische Ausstattung von mehr als 2000 Patienten in Costa Rica, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, und von einer gleich großen Kontrollgruppe gesunder Personen. Mit Hilfe eines Fragebogens ermittelten sie die Trinkgewohnheiten der Probanden.

 

Die Analyse ergab, dass langsame Metabolisierer, die zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag tranken, ein um 36 Prozent höheres Risiko für einen Herzinfarkt aufweisen, als Menschen mit derselben Genausstattung, die aber nur eine Tasse täglich tranken. Wer vier Tassen pro Tag konsumierte, hatte ein sogar um 64 Prozent erhöhtes Risiko.

 

Bei den schnellen Metabolisierern zeigte sich ein ganz anderes Bild. Der Kaffeekonsum schien hier einen schützenden Effekt zu haben. Träger der Cyp1A2*1A-Genvariante, die zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag tranken, hatten ein um 22 Prozent niedrigeres Herzinfarkt-Risiko als diejenigen, die nur eine Tasse konsumierten. »Die Ergebnisse sind sehr eindrucksvoll«, sagte El-Sohemy. »Unsere Daten lassen vermuten, dass Coffein mehr Schaden anrichtet, je länger es im System erhalten bleibt.« Welche Wirkung Coffein genau auf das Herz hat, wissen die Forscher bislang nicht. Eine Vermutung ist, dass die Substanz die Fähigkeit der Blutgefässe, sich zu verengen und zu erweitern, beeinflusst.

 

Die Ergebnisse sind bislang nicht von großer praktischer Bedeutung, denn die wenigsten Personen kennen ihre Cyp1A2-Variante. Die meisten Menschen wissen also nicht, ob ihnen Kaffee eher schadet oder hilft. Es sei noch zu früh, die geltenden Ernährungsempfehlungen zu ändern und den Kaffeegenuss zu reglementieren. Unsicherheit sei aber nicht angebracht. Eine Tasse Kaffee pro Tag habe für niemanden nachteilige Effekte, beruhigt El-Sohemy.

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