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Tonsillotomie

Kurzfristig Vorteile, aber langfristig Nachteile möglich

08.03.2017
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Von Daniela Hüttemann / Die Mandeln nur in Teilen oder komplett entfernen lassen? Die Vor- und Nachteile einer Tonsillotomie gegenüber einer Tonsillektomie hat jetzt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) bewertet.

 

Demnach treten bei einer teilweisen Entfernung der Gaumenmandeln (Tonsillotomie) innerhalb der ersten beiden Wochen weniger Schmerzen sowie Schluck- und Schlafstörungen auf als bei einer kompletten Entfernung (Tonsillektomie). Da das Gewebe nachwachsen kann, können jedoch erneut Entzündungen auftreten, die eine weitere Operation erforderlich machen können. Allerdings liegen nicht genügend Daten zu Folge-OPs vor, um den Nutzen oder Schaden genau zu bewerten, heißt es in dem Abschlussbericht des Instituts. Unklar sei auch der Nutzen oder Schaden einer Tonsillotomie gegenüber konservativen Therapien wie dem abwartenden Beobachten.

Insgesamt war das IQWiG mit der Qualität der vorliegenden Studien unzufrieden. In der wissenschaftlichen Literatur postulierte Vorteile einer Tonsillotomie gegenüber einer -ektomie, wie eine geringere Rate postoperativer Komplikationen (zum Beispiel Blutungen und Infektionen) sowie eine schnellere Genesung, ließen sich nicht bestätigen.

 

Das Institut stellt zudem fest, dass es in Deutschland bislang keine einheitliche Indikationsstellung gibt, ob und in welchem Umfang die Mandeln entfernt werden sollten. Häufig wird einer dieser Eingriffe durchgeführt, wenn die Gaumenmandeln immer wieder entzündet (Tonsillitis) oder vergrößert (Hyperplasie) sind, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. Bei einer Tonsillitis durch Bakterien oder Viren kommt es zu Schmerzen, Schluckbeschwerden und Fiebern. Eine Hyperplasie der Gaumenmandeln kann zu einer Verengung der Atemwege mit Atmungsstörungen im Schlaf (Schlafapnoe- Syndrom) führen. /

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