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Studie

Kinderarzneimittel in Afrika und Indien

06.03.2012  17:25 Uhr

Von Birger Fels, Tübingen / Die Senkung der Kindersterblichkeit um zwei Drittel bis zum Jahr 2015 ist eines der acht Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen. Das Deutsche Institut für Ärztliche Mission (Difäm) hat in Kooperation mit dem Pharmazeutischen Institut der Universität Tübingen eine Untersuchung zu Kinderarzneimitteln als Diplomarbeit vergeben.

Deckt das Angebot der kirchlichen Zentralapotheken den Bedarf an essenziellen Medikamenten? Ist deren Preis angemessen? Um diese Fragen zu beantworten, erhob das pharmazeutische Institut Daten von zwölf kirchlichen Zentralapotheken in Afrika und Indien. Es untersuchte 19 Medikamente aus der Liste für essenzielle Kindermedikamente der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in verschiedenen Dosierungen und Darreichungsformen. Angaben zum Personalbestand, zur Qualifikation der Mitarbeitenden, zur Kundenzahl und zum Jahresumsatz wurden ebenfalls abgefragt. Diese pharmazeutische Diplomarbeit setzt die Zusammenarbeit zwischen Professor Lutz Heide vom Pharmazeutischen Institut Tübingen und dem Difäm fort.

 

Jetzt liegen fundierte Daten über die Stärken und Schwächen der teilnehmenden Zentralapotheken vor. Zu den Kunden der befragten Apotheken zählen Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen der eigenen Kirche, anderer Glaubensgemeinschaften, von Nichtregierungsorganisationen und des Staates. Die Zahl und die Qualifikation der Mitarbeitenden variiert stark. In den meisten Fällen wird pharmazeutisch ausgebildetes Personal beschäftigt, ein studierter Apotheker ist aber nur in drei Viertel der Zentralapotheken angestellt.

 

Die Medikamente sind insgesamt zufriedenstellend verfügbar. Durchschnittlich 70 Prozent der von der WHO empfohlenen und abgefragten Medikamente waren in den Einrichtungen verfügbar. Gemessen an nationalen Listen waren sogar 80 Prozent aller empfohlenen Arzneimittel vorrätig. Allerdings waren Medikamente manchmal nicht in der für Kinder und Säuglinge geeigneten Dosierung verfügbar. In diesen Fällen muss mit einem Teil der Erwachsenendosis therapiert werden, was das Kontaminationsrisiko erhöht.

 

Auch bei den Preisen zeigten sich deutliche Unterschiede. Manche Zentralapotheken können Medikamente zu Preisen verkaufen, die bis zu einem Viertel unter dem internationalen Durchschnittspreis liegen. Andere Kunden müssen mehr als das Zweieinhalbfache dieses Referenzpreises bezahlen.

 

Die untersuchten Apotheken versorgten in der Regel jeweils bis zu 2000 Einrichtungen eines Landes. Das belegt auch der Gesamtumsatz der zwölf Apotheken in Höhe von 18 Millionen Euro im Jahr 2010.

 

WHO interessiert

 

Nach der Untersuchung trafen sich die Autoren der Studie Ende Oktober 2011 mit Vertretern der teilnehmenden Zentralapotheken in Nairobi und diskutierten, wie deren Angebot verbessert und die Preise weiter gesenkt werden können. Das Difäm will diesen Prozess in den nächsten drei Jahren begleiten.

 

Auch bei der WHO stieß die Studie auf Interesse. Sie arbeitet schon seit einigen Jahren mit dem Programm »Make Medicines Child Size« an einer besseren Medikamentenversorgung von Säuglingen und Kindern. Das Difäm will nun in weiteren Ländern Afrikas die Verfügbarkeit von Kinderpräparaten in Krankenhäusern untersuchen, begonnen hat es damit bereits in Kenia, Uganda, Ghana und im Tschad. /

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