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Junge Erwachsene öfter psychisch krank

28.02.2018
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Von Anna Pannen / Junge Menschen in Deutschland erkranken immer häufiger an Depressionen und anderen psychischen Krankheiten. Darauf weist eine Auswertung der Barmer hin.

 

Demnach ist der Anteil der 18 bis 25 Jahre alten Barmer-Versicherten, die an einer solchen Erkrankung leiden, von 2005 bis 2016 um 38 Prozent gestiegen. Jeder sechste Student sei heute psychisch krank, so Barmer-Chef Christoph Straub. Er macht steigenden Zeit- und Leistungsdruck sowie finanzielle Sorgen und Zukunftsängste für den Trend verantwortlich.

 

Die Barmer will diese Entwicklung nun mit Online-Therapieangeboten aufhalten und stellte vergangene Woche ihr breites Portfolio in diesem Bereich vor. Es reicht von Angeboten für Studenten mit Prüfungsangst bis zu Trainings für gestresste Berufstätige oder depressive Diabetiker.

 

Eine Nachfrage bei der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) relativiert das Ganze allerdings etwas. Die Fachgesellschaft nutzt als Datenquelle die DEGS-Studie des Robert-Koch-Instituts. Sie ist der Nachfolger des Bundes-Gesundheitssurveys und beruht auf bevölkerungsrepräsentativen Gesundheitsdaten.

 

Dieser Untersuchung zufolge ist die Prävalenz von psychischen Erkrankungen in der Allgemeinbevölkerung seit 1998 kaum angestiegen. Dennoch sei es zutreffend, dass psychische Störungen bei jungen Erwachsenen am häufigsten vorkommen, so DGPPN-Präsident Professor Arno Deister. Zutreffend sei außerdem, dass diese Erkrankungen häufiger diagnostiziert werden. »In den letzten Jahrzehnten suchen sich erfreulicherweise immer mehr Menschen Hilfe«, so der Experte. Gleichzeitig werde für Erkrankungen wie Rückenleiden heute häufiger auch eine psychische Ursache in Betracht gezogen. Psychische Erkrankungen würden also »nicht unbedingt häufiger, sondern nur sichtbarer«. /

 

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