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Kassen weiter für Zyto-Ausschreibungen

01.03.2017
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Von Anna Pannen / Die deutschen Kassen ziehen alle Register, um das geplante Ende der Zyto-Ausschreibungen zu verhindern.

 

In einem Schreiben an die Gesundheitspolitiker der Regierungsfraktionen pochen sie darauf, die Abschaffung sei falsch und führe in eine düstere Zukunft: »Seit Jahren etablierte und qualitätsgesicherte Versorgungswege werden gekappt und die Patienten in eine unsichere Versorgungszukunft überantwortet«, heißt es in dem Papier, das neben dem AOK-Bundesverband und dem Verband der Ersatzkassen auch die IKK, die BKK, die Knappschaft und die landwirtschaftliche Krankenkasse unterschrieben haben.

Das Arzneimittel-Versorgungsstärkungsgesetz (AM-VSG) sieht vor, dass Kassen die Belieferung von Arztpraxen mit Zytostatika künftig nicht mehr exklusiv an bestimmte Apotheken vergeben dürfen. Es befindet sich derzeit in der parlamentarischen Abstimmung. Patienten und Ärzte sollen demnach bald selbst entscheiden können, welcher Apotheke sie den Auftrag zur Herstellung dieser kostspieligen Medikamente geben. Die Kassen sollen entweder Rabattverträge zu diesen Arzneimitteln direkt mit den Herstellern schließen können oder mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) über die Hilfstaxe verhandeln.

 

Den Krankenkassen ist das nicht recht. Bislang hätten die Ausschreibungen allen Kassen zusammen jährlich bis zu 700 Millionen Euro an Einsparungen gebracht. Mit den neuen Vorschlägen sparten sie hingegen weit weniger Geld ein. Außerdem fürchten die Versicherer illegale Absprachen zwischen Ärzten und Apothekern, wenn diese sich frei über die Zyto-Aufträge verständigen. Niemand wisse, wie die Auswahl des Arztes motiviert sei, heißt es in dem Schreiben. Die Kassen hätten ihre Vertragsapotheken dagegen nach strengen Qualitätskriterien ausgewählt.

 

Freie Apothekenwahl

 

Das sehen die Apotheker anders. Wie bei allen Medikamenten müsse auch bei Zytostatika die freie Apothekenwahl gelten, hatten sie wiederholt betont und damit schließlich die Politik überzeugt. Auch verschiedene Gerichtsurteile hatten dies hervorgehoben, unter anderem weil die Vertragsapotheken der Kassen teils mehr als 50 Kilometer von der verschreibenden Arztpraxis entfernt lagen.

 

Die Krankenkassen hoffen nun, dass ihr Schreiben einige Politiker umstimmt. »Wir bitten Sie, sich dafür einzusetzen, dass wir die Versorgung unserer Versicherten weiterhin über Ausschreibungen mit Apotheken gestalten können«, heißt es darin. /

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