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Brustkrebs

Frühe Erkennung, frühe Behandlung

08.04.2008
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Brustkrebs

Frühe Erkennung, frühe Behandlung

Von Daniela Biermann

 

Generell gilt bei Brustkrebs: Früherkennung ist die einzig mögliche Prävention. Für Frauen mit hohem Risiko gibt es zusätzlich medikamentöse und operative Optionen.

 

Jede zehnte Deutsche erkrankt im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs. Das sind etwa 55.000 Frauen pro Jahr. Das Mammakarzinom ist damit die häufigste Krebsart bei Frauen in Deutschland. Doch die Krankheit lässt sich mittlerweile gut behandeln, solange keine Metastasen vorliegen. Das relative mittlere 5-Jahres-Überleben liegt bei knapp 80 Prozent. Wichtig ist daher, die Krankheit möglichst früh zu erkennen.

 

Ab dem 31. Lebensjahr steht allen gesetzlich krankenversicherten Frauen eine jährliche Brustkrebs-Vorsorgeuntersuchung zu. Dazu tastet der Gynäkologe die Brust ab und erklärt der Frau, wie sie es selbst jeden Monat tun sollte. Das ist wichtig, denn mehr als 80 Prozent aller Knoten werden von den Frauen selbst entdeckt. Der Zeitpunkt sollte abhängig von der Regel dabei immer gleich sein, da sich die Brust im Laufe des Zyklus unterschiedlich anfühlt. Gynäkologen empfehlen, sich eine Woche nach Beginn der Regelblutung abzutasten. Zu diesem Zeitpunkt ist das Brustgewebe weicher und mögliche Veränderungen werden leichter ertastet. Im Gegensatz dazu fühlt sich das Brustgewebe vor der Regel relativ hart und knotig an. Auch jüngere Frauen sollten sich regelmäßig selbst untersuchen. Nicht jedes Knötchen muss ein Tumor sein, sollte aber vom Gynäkologen abgeklärt werden. Das macht er zum Beispiel mittels Ultraschall (Sonografie).

 

Präziser ist eine Mammografie. Diese Röntgenuntersuchung gehört für Frauen im Alter von 50 bis 70 zur Regelvorsorgung. Seit 2004 wird in Deutschland ein flächendeckendes Mammografie-Screening in qualifizierten Zentren aufgebaut. Die Frauen erhalten dazu jedes zweite Jahr eine Einladung. Die Untersuchung empfinden die meisten Frauen als unangenehm, da die Brüste zwischen zwei Metallplatten gedrückt werden. Frauen, die noch regelmäßige Blutungen haben, sollten in der ersten Zyklushälfte zur Untersuchung gehen, da die Brust dann weicher ist. Ob ein Screening auch für jüngere Frauen sinnvoll ist, ist umstritten. Ein Argument dagegen ist, dass deren Brustgewebe dichter ist. Knoten sind hier durch Röntgenstrahlung schwerer zu erkennen. Insgesamt werden etwa 5 bis 15 Prozent der Karzinome bei der Mammografie nicht entdeckt. Trotzdem senkt diese Maßnahme die Sterblichkeit schätzungsweise um bis zu 35 Prozent.

 

Gefährliche Gene

 

Besonders wichtig sind die regelmäßigen Untersuchungen für Frauen mit erhöhtem Brustkrebsrisiko. Als Risikofaktoren gelten

 

erste Regelblutung vor dem 12. Lebensjahr

letzte Regelblutung nach dem 52. Lebensjahr

hohe Zyklenzahl

erstes Kind nach dem 30. Lebensjahr

Kinderlosigkeit

Adipositas

Alkohol

ionisierende Strahlen

langjährige hormonelle Verhütung

Hormonersatztherapie.

 

Etwa ein Viertel der Brustkrebspatientinnen hat eine positive Familienanamnese. Vor allem die Genveränderungen BRCA 1 und 2 sind mit einem erhöhten Krankheitsrisiko verbunden. Spätestens fünf Jahre vor dem frühesten Erkrankungsalter in der Familie sollte mit einer intensivierten Früherkennung begonnen werden, empfahl Professor Dr. Marc Sütterlin, Präsident der Mannheimer Universitäts-Frauenklinik, vergangene Woche auf dem Deutschen Krebskongress in Berlin. Neben den monatlichen Selbstuntersuchungen sind zwei Sonografien und eine Mammografie sinnvoll. Mutationsträgerinnen können sich prophylaktisch die Brüste operativ abnehmen lassen. Da 90 bis 95 Prozent des Brustgewebes dabei entfernt werden, sinkt das Brustkrebsrisiko um mehr als 90 Prozent. Allerdings hat dies oft erhebliche Folgen auf das Selbstwertgefühl und die Sexualität der Frauen. Bei den häufig gewünschten Brustrekonstruktionen kommt es bei fast der Hälfte zu Komplikationen. Alternativ oder zusätzlich können die Eierstöcke entfernt werden, um die Estrogenproduktion zu stoppen. Das Ovarialkarzinomrisiko sinkt um bis zu 96 Prozent, das Mammakarzinomrisiko um bis zu 53 Prozent. Nachteile sind eine frühe Menopause, sodass die Familienplanung vorher abgeschlossen sein muss, und ebenfalls ein erhöhtes OP-Risiko.

 

Schutzeffekt versus Nebenwirkungen

 

Für brustkrebsgefährdete Frauen, insbesondere Mutationsträgerinnen, könnte eine Chemoprävention infrage kommen. Im Gegensatz zu Deutschland sind in den USA die selektiven Estrogenrezeptor-Modulatoren Tamoxifen und Raloxifen aufgrund positiver Studienergebnisse für diese Indikation zugelassen. In der NSABP-P1-Studie (etwa 13.400 Teilnehmerinnen) sank in der Tamoxifen-Gruppe die Brustkrebs-inzidenz um 50 Prozent gegenüber Placebo. Allerdings traten Nebenwirkungen wie Endometriumkarzinome, Thromboembolien und Schlaganfälle gehäuft auf.

 

In der IBIS-I-Studie (etwa 7150 Teilnehmerinnen) reduzierte sich das Risiko für rezeptorpositive Tumoren unter Tamoxifen um 34 Prozent. Der Schutzeffekt hielt nach fünfjähriger Prophylaxe noch weitere fünf Jahre an bei sinkender Nebenwirkungsrate.

 

Die STAR-Studie (etwa 20.000 Teilnehmerinnen) verglich Tamoxifen mit Raloxifen. Es ergaben sich keine Unterschiede für das Auftreten von invasivem Brustkrebs, Frakturen, Schlaganfällen und Todesfällen insgesamt. Unter Raloxifen gab es weniger Thromboembolien und Endometriumkarzinome, während in der Tamoxifen-Gruppe deutlich weniger nicht invasive Brusttumoren auftraten.

 

Insgesamt muss das Brustkrebsrisiko jeder einzelnen Frau sorgsam gegen mögliche Nebenwirkungen abgewogen werden. Als Alternativen werden zurzeit Aromatasehemmer in der Primärprävention untersucht. Die IBIS-II-Studie (geplante 10.000 Teilnehmerinnen) testet die Schutzwirkung von Anastrozol, während in der ExCel-Studie (etwa 5100 Teilnehmerinnen) Exemestan untersucht wird.

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