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Kooperationen

Dachverband als Einmannshow

08.04.2008  17:28 Uhr

Kooperationen

Dachverband als Einmannshow

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Der neue Bundesverband der Deutschen Apothekenkooperationen hat sich in Berlin vorgestellt. Fragen nach der Notwendigkeit eines solchen Verbunds konnte Initiator und Vorsitzender Dr. Stefan Hartmann nicht befriedigend beantworten.

 

Die Geschichte scheint mit ziemlich heißer Nadel gestrickt. In der Woche nach seiner Gründung am 12. Februar präsentierte sich der Bundesverband Deutscher Apothekenkooperationen (BVDAK) im Haus der Bundespressekonferenz bildlich gesprochen ein wenig außer Atem. Der Initiator und Vorsitzende Dr. Stefan Hartmann hatte die für den Sommer geplante Gründung vorgezogen, als er von Plänen der Saarbrücker Kooperation 1A-Gesund erfahren hatte, ebenfalls einen Dachverband ins Leben zu rufen (siehe dazu Bundesverband: Eine Lobby für die Kooperationen, PZ 08/08).

 

So kam es, dass unter den zwölf Gründungsmitgliedern nur vier Kooperationen sind, eine davon die von Hartmann Anfang 2007 gegründete Vita Plus mit gut 30 Mitgliedsapotheken. Am 20. Februar kam die Apothekenkooperation Migasa dazu. Ansonsten tummeln sich im BVDAK mittelständische Unternehmen aus dem Umfeld der Apotheke. Hartmann begründet dies mit dem gemeinsamen Ziel, die unabhängige, inhabergeführte Apotheke zu stärken. Das unscharfe Profil legt trotzdem die Vermutung nahe, dass es der Verband schwer haben wird, von den über 40 deutschen Kooperationen als legitime Interessenvertretung anerkannt zu werden.

 

Genau diesen Anspruch erhebt Hartmann, wie er in der Pressekonferenz in Berlin bekräftigte. Die Notwendigkeit, einen eigenen Verband zu gründen, konnte er trotz Nachfragen der Journalisten nicht plausibel machen. Er betonte, zwischen den BVDAK und die ABDA ­ Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände passe kein Blatt. Der BVDAK verstehe sich als »Beiboot« der Kammern und Verbände. Er habe mit dem ABDA-Präsidenten Heinz-Günter Wolf telefoniert, man verfolge dieselben Ziele. Die Gefahr der Schwächung der Apothekerschaft, wenn sie nicht mehr mit einer Stimme spricht, sieht er nicht: »Viele Wege führen nach Rom.«

 

Gespräche mit der Kammer

 

Er berichtete von Gesprächen mit der Bayerischen Landesapothekerkammer, die ihm angeboten habe, Delegierter zu werden. Er hat abgelehnt. Ob es ihm zu mühsam schien, den »Marsch durch die Institutionen« anzutreten, ließ er offen. Sein Auftritt in der Hauptstadt vermittelte jedenfalls den Eindruck, dass er gern selbst entscheidet, und das möglichst rasch, und dass er Einfluss nehmen möchte. Obwohl auf dem Podium mit ihm noch Vorstandsmitglied Brigitte Walter saß, die eine seiner Apothekenfilialen leitet (Hartmann: »Ich könnte es nicht besser machen«), bestritt er die Veranstaltung komplett allein.

 

Lobbyarbeit ist ein erklärtes Ziel des Dachverbandes. Hartmann will dabei seine politischen Kontakte in Berlin ausbauen. Das wird nötig sein, denn bisher beschränken sie sich, wie er auf Nachfrage zugeben musste, auf die Bundestagsabgeordneten seines Wahlkreises. Hartmann ist kommunalpolitisch aktiv. Er sitzt für die Freien Wähler in Gilching bei München im Gemeinderat und ist Kreistagsmitglied.

 

Hartmanns Abneigung gegen Apothekenketten ist auch in persönlichen schlechten Erfahrungen begründet. Er betreibt vier Apotheken. Die habe er als «Kleinkettte« zu führen versucht. »Ich sage Ihnen, das wäre fast schiefgegangen.« Trotzdem sind zwei seiner Filialen Mitglied im MVDA. Der Marketing-Verein Deutscher Apotheker ist die größte deutsche Apothekenkooperation und steht bekanntlich in Verbindung zum Großhändler und Kettenbetreiber Phoenix.

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