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GHR-Defekt schützt vor Krebs und Diabetes

22.02.2011
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Von Christina Hohmann / Eine Mutation im Gen für den Wachstumshormon-Rezeptor (growth hormone receptor, GHR) führt zu Kleinwüchsigkeit, schützt im Alter aber vor Typ-2-Diabetes und Krebs. Dies entdeckten Forscher um Jaime Guevara-Aguirre und Valter Longo von der Universität Südkalifornien in Los Angeles an einer Gruppe von etwa 100 kleinwüchsigen Menschen in Ecuador.

Bei einer Studie über 23 Jahre fanden die Wissenschaftler heraus, dass die Mutation diese Menschen, die am sogenannten Laron-Syndrom leiden, vor Alterserkrankungen schützt. Das berichten die Forscher im Fachjournal »Science Translational Medicine« (doi: 10.1126/scitranslmed.3001845).

 

Die Mutation am Rezeptor führt dazu, dass das Hormon nicht mehr effektiv binden und daher in der Leber nicht die Produktion von IGF-1 (insulin-like growth factor-1) anregen kann. Die Folge sind sehr niedrige IGF-1-Spiegel, die sich sowohl auf das Wachstum als auch den Glucosestoffwechsel auswirken. In der Kindheit haben Betroffene häufiger Hypoglykämien. Im Alter scheint der IGF-1-Mangel allerdings eher positiv zu wirken: Von den 100 Kleinwüchsigen entwickelte keiner Diabetes und nur einer eine Krebserkrankung. Im Vergleich dazu traten in einer Gruppe von normalgroßen Verwandten, die in der­selben Region lebten, bei 5 Prozent Typ-2-Diabetes und bei 17 Prozent eine Krebs­erkrankung auf.

 

Aus Tieruntersuchungen ist der positive Effekt, den die Blockade des Wachstumshormons hat, bereits bekannt: Zwei US-amerikanische Arbeitsgruppen konnten zeigen, dass Mäuse mit Wachstumshormonmangel eine um etwa 40 Prozent verlängerte Lebensspanne hatten. Wie genau der Hormonmangel wirkt, ist noch unklar. In Zellkultur­untersuchungen hatte das Blutserum von Laron-Patienten einen doppelten Effekt: Es schützte die DNA gegen oxidative Schäden und zerstörte Zellen, deren Erbmaterial zu viele Schäden angesammelt hatten.

 

Die Forscher spekulieren, dass eine ähnliche protektive Wirkung durch die medikamentöse Blockade des Wachstumshormon-Rezeptors auch bei ausgewachsenen Menschen zu erreichen sei. In Deutschland ist bereits ein entsprechender Wirkstoff zugelassen: Pegvisomant ist ein Ant­agonist am GH-Rezeptor und wird zur Therapie der Akromegalie eingesetzt. Longo und seine Arbeitsgruppe wollen jetzt untersuchen, ob der Wirkstoff auch vor Zellschäden bei Chemotherapie schützen kann. Die Forscher haben dazu eine erste klinische Studie mit Krebspatienten initiiert. / 

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