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Rotavirus-Infektion

Unbedingt Flüssigkeit ersetzen

20.02.2007  13:33 Uhr

Rotavirus-Infektion

Unbedingt Flüssigkeit ersetzen

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Rotaviren gelten als häufigste Erreger von Magen-Darm-Infektionen bei Säuglingen und Kleinkindern. In Deutschland haben die Viren in den Monaten Februar bis April Hochsaison. Was tun, wenn das Baby erkrankt? Neben guter Hygiene ist die Flüssigkeitszufuhr besonders wichtig.

 

Rotaviren kommen weltweit vor, sind hoch ansteckend und sehr widerstandsfähig. Übliche Hygienemaßnahmen können die Infektion, zum Beispiel innerhalb der Familie, kaum verhindern, sagte Privatdozent Dr. Johannes Liese bei einer Pressekonferenz des Deutschen Grünen Kreuzes in München. Besonders gefährdet sind Kleinkinder zwischen sechs und 24 Monaten (siehe auch PZ 01/07). Übrigens: Das so viel diskutierte Norovirus ist Auslöser Nummer 1 von Brechdurchfall bei Erwachsenen.

 

Die Symptome der Rotavirus-Infektion: wässrige Durchfälle (bis zu 20-mal am Tag sind keine Seltenheit), Erbrechen, Fieber und Bauchschmerzen. Etwa der Hälfte der Kinder leidet als Erstes jedoch unter Atemwegsbeschwerden, berichtete der Pädiater vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München. Oft wird die Infektion daher verkannt und der kleine Patient steckt noch Familienmitglieder oder andere Kinder an.  

 

Es gibt keine kausale Therapie gegen die virale Gastroenteritis. Wichtigste Maßnahme ist die sofortige Zufuhr von Wasser oder Tee, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen und eine Dehydratation zu verhindern. Eventuell ist auch die Gabe von Elektrolytlösungen sinnvoll (Beispiele: Oralpädon®, Elotrans® neu, Milupa GES 60). Die Rehydratation ist vor allem in den ersten Stunden ein Geduldsspiel: Das Kind soll im Abstand von einer bis zwei Minuten einen kleinen Löffel Flüssigkeit bekommen, sagte Liese. Frühzeitiges Füttern sei ebenfalls günstig. »Damit sind 95 Prozent der Patienten gut behandelt.« Ein Teil der Kinder muss jedoch ins Krankenhaus, zum Beispiel wenn sie das Trinken verweigern.

 

Antidiarrhoika sind bei Rotavirus-Durchfällen fehl am Platz, da sie die Erregerausscheidung hemmen. Dagegen können Probiotika, zum Beispiel mit Lactobacillen, die Dauer der Durchfälle abkürzen. Gleiches gelte für Racecadotril, das die Sekretion ins Darmlumen vermindert, erklärte der Arzt. Alle Personen, die Kontakt zum kleinen Patienten haben, sollten strenge Hygiene walten lassen, um die fäkal-orale Übertragung zu vermeiden. »Nach jedem Windelwechsel die Hände sorgfältig mit Seife waschen«. Eine Händedesinfektion, zum Beispiel mit Alkohol, sei im häuslichen Bereich in der Regel nicht nötig. Bei gesunden Kindern heilt die Erkrankung nach vier bis acht Tagen folgenlos aus. 

 

Stillen bietet generell einen gewissen Schutz vor gastrointestinalen Infektionen. Gestillte Kinder erkranken meist später daran als nicht gestillte Säuglinge. Einen sicheren Schutz vor Rotaviren bietet jedoch nur die Impfung. Seit Sommer 2006 stehen zwei Lebendimpfstoffe zum Schlucken zur Verfügung, die bis zur 24. oder 26. Lebenswoche zugelassen sind (Rotateq® und Rotarix®). Das Robert-Koch-Institut bescheinigt beiden Vazinen eine hohe Effektivität und geringe Nebenwirkungsrate.

 

Wie lange der Schutz anhält, ist noch nicht sicher. Experten gehen von zwei bis drei Jahren aus. Somit verhindert die Impfung schwere Rotavirus-Erkrankungen in den ersten Lebensjahren, spätere Infektionen verlaufen erfahrungsgemäß milder oder ganz ohne Symptome. Ein Teil der Impflinge scheidet die Impfviren mit dem Stuhl aus, daher müssen immunsupprimierte Kontaktpersonen besonders vorsichtig sein.

 

Da die Impfung von der STIKO nicht allgemein empfohlen wird, müssen die Eltern die Vakzine selbst bezahlen. Nach Erfahrung der Experten in München übernehmen die Privatkassen die Kosten meistens, die Krankenkassen nur selten.

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