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Zukunftsängste sind nicht nötig

20.02.2006
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Zukunftsängste sind nicht nötig

Das Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetz (AVWG) ist in der letzten Woche vom Bundestag mit der Koalitionsmehrheit verabschiedet worden. Die Zustimmung des Bundesrates ist mehr oder weniger Formsache. Das Gesetz wird zum 1. April in Kraft treten.

 

Ich kann nur hoffen, dass dieses Gesetz das letzte Spargesetz vor der großen Gesundheitsreform ist und es die Zeit bis dahin überbrücken kann. Sicher ist das nicht. Ob die erhofften und theoretisch errechneten Spareffekte verwirklicht werden können, wird unter anderem davon abhängen, ob in diesem Jahr noch eine Grippewelle Deutschland überrollen wird und ob die Zahl der Arbeitslosen weiter steigt oder abnehmen wird. Beides ist nicht kalkulierbar.

 

Umso wichtiger ist es, schnell in die Diskussion einer grundlegenden Gesundheitsreform einzusteigen, die die Finanzierung der Gesetzlichen Krankenversicherung neu strukturiert. Allen Verantwortlichen muss endlich klar werden: Wird weiter nur an der Ausgabenschraube gedreht, muss eine Reform Stückwerk bleiben. Der medizinische Fortschritt und die demographische Entwicklung der Bevölkerung in Deutschland werden die Einsparungen schnell aufbrauchen. Nur eine neue Finanzierungsstruktur, die weniger anfällig für demographische und konjunkturelle Entwicklungen ist, wird die Gesetzliche Krankenversicherung nachhaltig stabilisieren.

 

In einem neu strukturierten Gesundheitssystem werden die Apotheker nachweisen müssen, dass sie eine unverwechselbare Rolle spielen. Das heißt, dass sie ihre Gemeinwohlpflichten erfüllen und ihre Aufgabe als Arzneimittelfachmann zum Nutzen der Patienten wahrnehmen.

 

Während der 36. Internationalen Fortbildungswoche der Bundesapothekerkammer in Davos wurden mehrere Ansätze deutlich, wie dies im Detail aussehen kann. Dazu gehört die kompetente fachliche aber auch menschliche Betreuung der Patienten. Am Beispiel der depressiven Patienten wurde das in Seminaren geübt. Aber auch die Beratung der Ärzte, die insbesondere mit den pharmazeutischen Fragestellungen der von ihnen eingesetzten Arzneimittel überfordert zu sein scheinen, ist eine Aufgabe, die von Apothekern übernommen werden kann. Professor Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, Mediziner und Vorsitzender der Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft, forderte in Davos die Apothekerinnen und Apotheker direkt auf, den niedergelassenen Ärzten Hilfestellung anzubieten, um Nebenwirkungen und Wechselwirkungen bei den Antidepressiva zu senken.

 

Auch die prädiktive Gendiagnostik könnte eine Aufgabe für Apotheker sein. Mit ihrer Hilfe lassen sich individuelle pharmakokinetische Unterschiede bei den Patienten analysieren, was einen besseren Einsatz der Pharmaka bei dem einzelnen Patienten ermöglicht.

 

Ich bin davon überzeugt, dass es die Pharmakotherapie verbessern wird, wenn Apotheker diese spezifischen pharmazeutischen Aufgaben übernehmen. Dauerhaft würde es auch zu mehr Wirtschaftlichkeit im System führen als das im AVWG festgeschriebene Naturalrabattverbot. Das ist die Botschaft, die von Davos an die Politik geht und die dort hoffentlich auch verstanden wird. In einer nachhaltigen Gesundheitsreform sollten sich diese Angebote wiederfinden. Wenn dies gelingt, dann müssen Apotheker keine Angst um die Zukunft ihrer Apotheken haben.

 

Professor Dr. Hartmut Morck

Chefredakteur

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