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Pharmakotherapie der Akne

21.02.2006
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Pharmacon Davos 2006

Pharmakotherapie der Akne

 

Mangelnde Hygiene, falsche Ernährung oder allgemein die Pubertät: Als »Ammenmärchen« bezeichnete Dr. Jürgen Krauss vom Zentrum für Pharmaforschung in München derartige Gründe für das Auftreten von Akne.

 

Die pathophysiologischen Grundlagen seien längst bekannt. Unter dem Einfluss von Geschlechtshormonen produzieren die Drüsen im Haarfollikel zu viel Talg. Parallel dazu kommt es zu einer Verhornungsstörung (Hyperkeratose), die dann zum  Verstopfen der Poren führt. Der Talg kann nicht mehr abfließen und der prall gefüllte Follikel wird als weißer Pickel sichtbar. Diese Veränderungen begünstigen dann das Wachstum von Propionibakterien, die wiederum durch einen verstärkten Abbau von Talg und Fettsäuren eine Entzündungsreaktion hervorrufen.

 

Aus diesem Entstehungsmechanismus leiten sich die vier Säulen der Akne-Therapie ab: Verminderung der Talgproduktion, Keratolyse, Antibiose und die Therapie mit Entzündungshemmern. Glücklicherweise ist die Akne bei den meisten Jugendlichen nur schwach ausgeprägt. 15 bis 30 Prozent der Betroffenen müssen jedoch behandelt werden. Ansonsten können lebenslang schwere Narben zurückbleiben.

 

Eine leichte, nicht entzündliche Akne kann in der Selbstmedikation behandelt werden. Mittel der Wahl ist Benzoylperoxid (BPO). Die Substanz wirkt sowohl antibiotisch als auch keratolytisch. »Für den Gesichtsbereich eignen sich 2- bis 5-prozentige, für Brust und Rücken 10-prozentige Zubereitungen«, so Krauss. Nach drei bis sechs Wochen hat sich das Hautbild deutlich verbessert. Nachteil von Benzoylperoxid ist sein starker Bleicheffekt, unter anderem auch auf die Haare und Kleidungsstücke. Zudem birgt die Substanz die Gefahr einer Kontaktallergie. Diese tritt bei etwa 3 Prozent aller BPO-Anwender auf. Eine Alternative in der Selbstmedikation stellen Präparate mit hellem sulfonierten Schieferöl dar. Es wirkt antibiotisch, keratolytisch sowie antiphlogistisch und kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewendet werden.

 

Die Verwendung von Akne-Spiritus hält Krauss nur in ausreichend hoher Konzentration (5 bis 10 Prozent) für hautbildverbessernd. Mit den üblichen Konzentrationen zwischen 1 und 2 Prozent sei dieser Effekt nicht zu erzielen. Zudem rät der Apotheker nur bei nicht entzündlichen Akneformen sowie zur Aknenachbehandlung zum Einsatz von Peelingcremes. Bei entzündlichen Prozessen bestehe die Gefahr, dass sich die Infektion durch die Öffnung der Pusteln ausdehnt.

 

Bei schweren Akneformen verordnen Dermatologen meist verschreibungspflichtige Wirkstoffe. Topische Retinoide wie Tretinoin, Isotretinoin und Adapalen, Azelainsäure sowie Antibiotika kommen zum Einsatz. »Viele Patienten wissen nicht, dass die Retinoide zu einer Erstverschlimmerung führen, und sich das Hautbild erst nach vier- bis sechswöchiger Einnahme deutlich bessert«, so der Apotheker. Zudem führen die Präparate alle zu Schuppung, Rötung und Brennen der Haut. Wegen ihres teratogenen Potenzials sind retinoidhaltige Topika bei Schwangerschaft kontraindiziert. Toxikologisch unbedenklich ist dagegen Azelainsäure.

 

Antibiotika wie Erythromycin oder Clindamycin sollte der Patient maximal vier bis sechs Wochen ohne Unterbrechung auftragen, um die Bildung von Resistenzen zu vermeiden.

 

Kann mit der Lokalbehandlung kein Therapieerfolg erzielt werden, stehen drei Alternativen für die systemische Medikation zur Verfügung: Während Antibiotika bei Männern und Frauen eingesetzt werden können, bleiben antiandrogene Pillen Frauen vorbehalten. Nach zwei bis drei Monatszyklen zeigt sich der Erfolg. Allerdings treten nach Absetzen häufig Rezidive auf.

 

Orales Isotretinoin ist in erster Linie reine Männersache. Nur wenn eine Schwangerschaft vor Therapiebeginn sicher ausgeschlossen wurde und hormonale Kontrazeption gewährleistet ist, dürfen auch Frauen Isotretinoin einnehmen. Für die Verordnung bei Frauen im gebärfähigen Alter gelten strenge Regeln: Pro Rezept darf nur der maximale Bedarf für 30 Tage verordnet werden. Das Rezept ist nur sieben Tage gültig.

 

Neben der fruchtschädigenden Wirkung führen Retinoide zudem häufig zu Nachtblindheit und trocknen die Schleimhäute aus.  Die Patienten dürfen daher keine Kontaktlinsen tragen, leiden oft an juckender Kopfhaut, ausgetrockneten Lippen oder Nasenbluten. »Für die Begleitmedikation eignen sich daher künstliche Tränenflüssigkeit, Nasengel, Lippencremes und spezielle Haarshampoos«, riet Krauss.

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