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Forschungsbedarf zur Pharmakotherapie im Alter

21.02.2006
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Pharmacon Davos 2006

Forschungsbedarf zur Pharmakotherapie im Alter

 

Die Kenntnisse zu Pharmakokinetik und -dynamik im Alter sind unzureichend. Es mangelt an wissenschaftlichen Studien.

 

Die medikamentöse Therapie älterer und hochbetagter Patienten gilt als große Herausforderung, gerade angesichts des demographischen Wandels. Sie erfordert besondere Kompetenz und Sensibilität.

 

Im Lauf des Lebens unterliegen die Kinetik und Dynamik von Arzneimitteln erheblichen Veränderungen, erläuterte Professor Dr. Fritz Sörgel, Nürnberg-Heroldsberg. Wissenschaftlich sauber und zweifelsfrei untersucht seien nur die Auswirkungen der Gabe von Medikamenten in der mittleren Lebensphase, sprich: bei Menschen von 18 bis 55 Jahren. In dieser Altersspanne sind die üblichen Einschlusskriterien für klinische Studien meist erfüllt. Sörgel machte deutlich, dass »Medikamente, überspitzt formuliert, genau für diese Altersgruppe konzipiert sind«.

 

Dennoch bestehen auch hier Wissensdefizite. Ein 45-jähriger Mensch habe beispielsweise schon so viele Nephrone verloren, dass die erreichbaren Plasmakonzentrationen von Medikamenten bei gleicher Dosis teilweise um 30 bis 50 Prozent höher als in jüngeren Jahren liegen können. Nicht zuletzt die zunehmende Einnahme von Lifestyle-Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln könne angesichts dieses bislang wenig berücksichtigten Sachverhalts zum Risikofaktor werden.

 

Mit zunehmendem Alter nimmt die Nierenfunktion auch bei gesunden Menschen deutlich ab, führte Sörgel aus. Ein 90-Jähriger kann eine Nierenfunktion von weniger als 50 Prozent der eines 18-Jährigen aufweisen. Dies habe Folgen, auch wenn zum Beispiel die Leberfunktion meist bis ins hohe Alter erhalten bleibt. Doch sei die Pharmakokinetik und -dynamik an (hoch-)betagten Patienten bislang kaum untersucht worden. Sörgel sprach von »großen Wissenslücken« und einem hohen Forschungsbedarf auch und gerade angesichts des demographischen Wandels.

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