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Dankbares Betätigungsfeld

21.02.2006
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Pharmacon Davos 2006

Dankbares Betätigungsfeld

 

Die Handhabung verschiedener Darreichungsformen von Medikamenten wird bei geriatrischen Patienten nicht nur durch den Rückgang visueller, auditiver oder kognitiver, sondern auch durch die Minderung feinmotorischer Fähigkeiten eingeschränkt, machte Dr. Wolfgang Kircher, Peißenberg, in einem Seminar deutlich.

 

Die maximale Fingerkraft hängt nicht nur vom Alter, sondern auch von der Position distaler und proximaler Hand-Arm-Abschnitte ab. »Abweichungen von der Neutralstellung der Hand verringern die Fingerkraft. Ein Patient, der eine Arzneiform in dieser Neutralstellung problemlos bedienen kann, hat in der Anwendungsposition unter Umständen Schwierigkeiten«, so der Offizinapotheker. Zu Anwendungsproblemen auf Grund ergonomisch ungünstiger Positionen der oberen Extremitäten könne es zum Beispiel bei Augentropfen und Nasensprays, aber auch bei der Injektion mit einem Pen in der Bauchregion kommen. Krankheiten wie Arthrose/Arthritis, Diabetes mellitus, Gicht, Karpaltunnelsyndrom, Morbus Parkinson oder Polyneuropathie verringern gegebenenfalls die Griffkraft.

 

Kircher betonte, dass es in Studien bei circa zehn Prozent der Pen-Benutzer zu motorikbedingten Anwendungsproblemen kommt. »Hier müssen Sie pharmazeutisch intervenieren, konstruktive Vorschläge zur Problemlösung machen und mit dem Patienten üben«, so der Apotheker an die Kolleginnen und Kollegen gewandt. »Die Erfahrung zeigt, dass auch die behandelnden Ärzte froh sind, wenn Apotheker Alternativen in Form ergonomisch geeigneter Pen-Modelle oder spezieller Umgreiftechniken aufzeigen können«, unterstrich Kircher.

 

Der Pharmazeut stellte im Seminar Hilfsmittel unter anderem zum Öffnen und Schließen von Schraubverschlussflaschen oder zum Teilen von Tabletten vor. Auch die Ventilbetätigung verschiedener koronartherapeutischer Mundsprays erfordert Kraft, die durch den so genannten Schlüsselgriff als Alternative zum Spitzgriff aufgebracht werden kann. Den Schlüssel- anstelle des Spitzgriffs empfehle er bei eingeschränkter Feinmotorik auch für das Einträufeln von Augentropfen. Mechanische Applikationshilfen könnten gegebenenfalls weitere Erleichterung bringen. Ausführliche Informationen dazu vermittelte Kircher im Titelbeitrag der PZ 50/05.

 

»In der Beratung und Unterstützung des geriatrischen Patienten bei der Anwendung von Arzneimitteln eröffnet sich für den Apotheker ein umfangreiches und dankbares Betätigungsfeld«, ist der Apotheker überzeugt.

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