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Apfel contra Schokolade

21.02.2006
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Dicke Kinder

Apfel contra Schokolade

von Ulrike Abel-Wanek, Eschborn

 

Ernährungspsychologen der Universität Göttingen haben zusammen mit dem Eutiner Institut für Bewegungstherapie und Rehabilitation das Ernährungs- und Bewegungsprogramm »Fitte Schule« entwickelt. Das Präventionskonzept will Kinder und Jugendliche spielerisch an einen gesunden Lebensstil heranführen.

 

Das Programm ist für die vierten bis sechsten Klassen aller Schulformen konzipiert. In kurzen Pausen während des Unterrichts bewegen sich die Kinder und lernen wichtige Regeln über gesundes Essen. Denn nur, wer etwas über seine Ernährung weiß, kann sein Essverhalten ändern. Je früher die Grundlagen der Ernährung »an das Kind gebracht« werden - um so besser. Vom Wissen, das der Nachwuchs mit nach Hause bringt, können sogar die Eltern profitieren und langjährig eingefahrene Ess- und Kochgewohnheiten auf den Prüfstand stellen: Polenta statt Pommes, Fischfilet statt Frikadelle und vor allem mehr Obst und Gemüse.

 

Zwei fünfte Realschul-Klassen haben das Programm bereits ein halbes Jahr im Unterricht getestet. Einmal am Tag lösten die Kinder in kleinen Gruppen ein Ernährungs-Quiz oder eine Bewegungsaufgabe. »Die Schülerinnen und Schüler wie auch die Lehrer haben die spielerischen Quiz-Aktiv-Pausen gerne genutzt«, sagt Dr. Thomas Ellrott von der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen: »Das Konzept haben wir an beliebte Quizshows im Fernsehen angelehnt. In der Evaluation gaben die Schüler an, die Quiz- und Bewegungsaufgaben im Unterricht hätten ihnen viel Spaß gemacht. Auch konnten sie sich nach den knapp fünfminütigen Pausen wieder besser auf den Unterricht konzentrieren.« Auch das ist kein Nachteil, denn die schulischen Leistungen der Kinder und Jugendlichen sind im europäischen Vergleich noch immer verbesserungswürdig.

 

»Fünf Minuten am Tag reichen natürlich für einen großen Erfolg alleine nicht aus. Wir wollten ein Programm entwickeln, das andere Konzepte wie tägliche Sportstunden (Fit für Pisa) ergänzt, dabei aber mit minimalem Aufwand und geringen Kosten vom Klassenlehrer im Unterricht eingesetzt werden kann«, sagt Ellrott.

 

Es liegt zwar heute mehr Gemüse und Obst auf deutschen Tellern als noch vor einigen Jahren, dennoch ist jedes vierte bis fünfte Kind übergewichtig. Die Erwachsenen sind hier kein Vorbild: Rund 65 Prozent der Männer und 55 Prozent der Frauen sind in Deutschland zu dick. Die durchschnittliche Energiezufuhr ist im Verhältnis zu den körperlichen Aktivitäten nach wie vor zu hoch. Es fehlt nicht nur die gesunde Balance zwischen Ernährung und Bewegung, Körpergefühl und Koordination sind so schlecht wie nie zuvor. »Wir müssen in erster Linie die Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen ändern, wenn wir die Entwicklung umkehren wollen. Schulen sind dafür gut geeignet, weil die Kinder täglich viele Stunden dort verbringen«, sagt Ellrott. Ein weiterer Schwerpunkt von »Fitte Schule« liegt auf der Integration von übergewichtigen und lernschwachen Kindern sowie solchen mit schlechten Deutschkenntnissen. Nach Meinung der Lehrerinnen ist dies in den Evaluationsklassen sehr gut gelungen. Anleitungen für die Bewegungsspiele und Quizfragen zur Durchführung des Programms stehen den Schulen in Form von Material-Sets zur Verfügung.

 

Das Programm wurde von dem Verein »Plattform Ernährung und Bewegung« begutachtet und als qualitätsgesicherte Maßnahme zertifiziert. Die Plattform ist eine gemeinsame Präventionsinitiative des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz sowie Gesellschaften und Verbänden (www.ernaehrung-und-bewegung.de).

 

Zu dem Projekt steuerten die Göttinger Experten ihr Fachwissen in Ernährungspsychologie und in pädagogischen Fragen bei, die Experten aus Eutin brachten ihre Kompetenz in der Entwicklung von Bewegungsprogrammen ein. Weitere Informationen unter www.fitte-schule.de.

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