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Pharmazieticker

10.02.2006  10:36 Uhr

Aprotinin alarmiert Kardiologen

Das zur Prophylaxe von Blutverlusten bei Herzoperationen eingesetzte Aprotinin (Trasylol®) erhöht offenbar das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenversagen (NEJM 354, 2006, 353-365). Insgesamt wurden 4374 Patienten untersucht, die sich einer Bypass-Operationen unterzogen hatten. Sie erhielten entweder Aprotinin, Aminocapronsäure, Tranexamsäure oder Placebo. Unter Aprotinin war das Risiko für die genannten Nebenwirkungen deutlich erhöht, worauf inzwischen auch die FDA hinweist. Der Hersteller Bayer verweist in einer Pressemitteilung auf methodische Mängel der Studie. So seien die Patienten etwa nicht randomisiert worden. Trotzdem werde die Firma die Arzneimittelbehörden bei der Datenauswertung unterstützen. Ein Schreiben für Trasylol-Anwender soll an behandelnde Ärzte und Krankenhausapotheker verschickt werden. PZ

Kein Hustensaft-Boykott

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat entgegen anders lautender Meldungen nicht beschlossen, die Verordnung von Hustensaft für Kinder komplett einzustellen. Dies bestätigte der Präsident des Verbandes, Dr. Wolfram Hartmann. Allerdings gebe es keine wissenschaftlichen Daten für die Wirkung von Hustensaft. Nur weil der meist wohlschmeckende Saft den Kindern subjektiv gut tue, rechtfertige das noch keine Verordnung auf Rezept. Nur in Einzelfällen sei ein Hustenstiller für Kinder sinnvoll. Effektiver sind laut Hartmann ausreichende Flüssigkeitszufuhr, Inhalationen und Brustwickel. PZ

Selbstkontrolle senkt Mortalität

Eine Eigenkontrolle bei Patienten unter Warfarin-Therapie kann das Sterberisiko um mehr als ein Drittel reduzieren. Laut einer im Fachmagazin Lancet veröffentlichten Metaanalyse von 14 randomisierten Studien wird zudem die Wahrscheinlichkeit eines thromboembolischen Ereignisses um 55 Prozent gesenkt. Die Zahl schwerer Blutungen war verglichen mit den Patienten, die sich nicht zu Hause testeten, um 35 Prozent verringert. Noch deutlicher profitierten diejenigen, die eine Eigentherapie (Selbsttestung und -dosierung) durchführten. Voraussetzung ist allerdings eine Eignung und Einarbeitung des Patienten. PZ

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