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HIV-Impfstoff in 3. Generation

14.02.2006  12:15 Uhr

HIV-Impfstoff in 3. Generation

von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Die Impfstoffforschung gegen HIV kommt nur mühsam voran. Inzwischen gibt es Impfstoffe der dritten Generation. Einer davon wird ab April unter anderem in Tansania getestet.

 

Vakzinen der ersten Generation bestanden aus rekombinanten Proteinen, die die Antikörperproduktion anregten. Diese schützten jedoch nicht zuverlässig vor einer Infektion. Bei Impfungen der zweiten Generation setzt man auf das Prime-Boost-Konzept mit zwei Einzelinjektionen. Dieses Schema wird derzeit in Thailand in einer Phase-III-Studie mit 17.000 Probanden untersucht, berichtete Dr. Michael Hölscher von der Abteilung für Infektions- und Tropenmedizin der LMU München bei den Münchner Aids-Tagen. Als »Primer« wird ein aviärer Pockenvektor mit HIV-Genen gespritzt, als Boosterimpfung das virale rekombinante Hüllprotein gp120. Solche Impfstoffe induzieren neben Antikörpern auch eine zelluläre Immunantwort.

 

Hölscher selbst arbeitet an einer Vakzine der dritten Generation im Mbeya Medical Research Center in Tansania, wo er das medizinische Forschungsprogramm leitet. Das Studienzentrum ist ein Gemeinschaftsprojekt des tansanischen Gesundheitsministeriums, des Walter-Reed-Army-Institutes und der LMU.

 

Der neue Impfstoff, der vom Vaccine Research Centre an den US National Institutes of Health entwickelt wurde, kombiniert eine DNA-Impfung (prime) mit einer rekombinanten Vektorimpfung (boost). Er enthält Gene von mehreren Proteinen (gag, pol, nef und env). Für das Oberflächenprotein env soll eine Immunreaktion gegen die HIV-Subtypen A, B und C induziert werden. Als Booster dient ein replikationsunfähiger Adenovirus-Typ 5. In einer Phase-I/II-Studie werden jetzt Verträglichkeit und Immunogenität evaluiert. Da weltweit etwa 900 Probanden geimpft werden, erhofft sich Hölscher auch erste Hinweise auf die Schutzwirkung der Vakzine.

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