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Gesundheitswesen in Saudi-Arabien

Im Osten viel Neues

31.01.2017  16:02 Uhr

Von Jennifer Evans / Saudi-Arabien will seinen Gesundheits- sektor ankurbeln, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Wohin die Reise gehen soll, legen der kürzlich vom Königreich vorgestellte sogenannte Vision 2030-Plan und das National Transformation Program (NTP) 2020 fest. Auch die elektronische Gesundheitskarte soll kommen.

Für den in den beiden Aktionsplänen vorgesehenen Modernisierungskurs Saudi-Arabiens ist vor allem der ­Gesundheitssektor zentral. Daher definierte das Königreich im Rahmen des NTP unter anderem 15 Ziele, die das ­Gesundheitsministerium des Landes ab sofort in Angriff nehmen soll. Dabei geht es darum, die Versorgungsqualität in Therapie und Prävention zu verbessern, einige der staatlichen Gesundheitsangebote zu privatisieren sowie ein attraktives Umfeld für Investoren aus aller Welt zu schaffen.

 

Mehr Transparenz

 

Ziel der Pläne ist es, nicht nur die medizinische Qualität zu steigern, sondern künftig auch höchste Standards in puncto Transparenz und Wirtschaftlichkeit bei der Versorgung zu etablieren. Zudem sollen mehr digitale Anwendungen und besser qualifiziertes Personal zum Einsatz kommen. Bis 2020 soll es pro 100 000 Saudis 150 qualifizierte Pfleger sowie weiteres medizinisches Personal geben (derzeit sind es 70,2). Außerdem ist geplant, den Anteil der auf den privaten Sektor entfallenden Gesundheitskosten von derzeit 25 Prozent auf 35 Prozent zu erhöhen.

 

Eines der größten Vorhaben aber ist, 70 Prozent der Bürger Saudi-Arabiens mit einer elektronischen Patientenakte auszustatten. Laut NTP besitzt derzeit noch kein einziger Saudi eine solche. Außerdem sollen ebenfalls 70 Prozent der Bevölkerung bis 2020 innerhalb von vier Wochen einen Facharzttermin bekommen können (aktuell sind es weniger als 40 Prozent).

 

In der vorderasiatischen Monarchie geraten durch immer größeren Reichtum und dem damit einhergehenden veränderten Lebensstil Zivilisationskrankheiten zunehmend in den Fokus. Teil des Reformvorhabens ist daher, bis 2020 die Zahl der Raucher im Land um 2  Prozent und die der Übergewichtigen um 1 Prozent zu senken.

 

Die rasante Zunahme an Zivilisationskrankheiten zusammen mit der wachsenden Bevölkerung, dem demografischen Wandel und der Einführung der Krankenversicherungspflicht für die rund 9 Millionen Ausländer im Land – Einheimische erhalten weitgehend kostenlose Gesundheitsversorgung vom Staat – lassen auch den saudi-arabischen Pharmamarkt boomen, so die Deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing (GTAI). Demnach war der Pharmamarkt Saudi-Arabiens schon 2013 um 11 Prozent auf mehr als 6 Milliarden US-Dollar (rund 5,7 Milliarden Euro) im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Lokale Produzenten hätten daran aber lediglich einen Anteil unter 20 Prozent, so die GTAI. Derzeit werde noch viel importiert. Pharmazeutische Erzeugnisse im Wert von fast 5 Milliarden US-Dollar (knapp 4,7 Milliarden Euro) kamen laut GTAI 2014 aus dem Ausland nach Saudi-Arabien.

 

Die Neuaufstellung des Gesundheitssektors soll das nun ändern: »Die Vision 2030 ist das größte Reformprogramm in der Geschichte Saudi-Arabiens, mit dem wir nachhaltiges Wachstum auf einem breiten wirtschaftlichen Fundament erzeugen wollen«, sagte Awwad Saleh Abdullah Al Awwad, Botschafter des Königreichs Saudi-Arabien, gegenüber der Nachrichtenagentur ots. /

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