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Diagnostika-Industrie

»Sorgenfalten auf der Stirn«

03.02.2016
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Von Jennifer Evans, Berlin / Mit einem Umsatzplus von 1,1 Prozent sind die Hersteller von Laborbedarf und Schnelltests in Deutschland in dieses Jahr gestartet. Dennoch liegen Schatten auf ihrem Wirtschaftsglück: Preisdruck, Fachkräftemangel und weniger Investitionen in die Forschung.

Das erste Mal seit vier Jahren hebt sich der deutsche Markt der Diagnostika-Branche positiv ab – und das, obwohl die europäische Entwicklung stagniert. Eigentlich gibt es allen Grund für optimistische Stimmung. Aber Matthias Borst, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Diagnostika-Industrie (VDGH), zeigte sich verhalten: »Die Situation kann sich in den nächsten Jahren dramatisch ändern«, sagte er in Berlin.

 

Zu wenig Fachkräfte

 

Ungünstige Entwicklungen, die der Verband aus der aktuellen Befragung seiner Mitglieder aus dem Bereich In-vitro-Diagnostika (IVD) ableitet, zeichnen sich bereits ab. Die Ergebnisse sind insofern repräsentativ, als die IVD etwa 90 Prozent des deutschen Diagnostikamarkts ausmachen.

 

Das erste Problem stellt der Fachkräftemangel dar. Schon jetzt sei es schwierig, die richtigen Leute zu finden, so Borst. »Das Problem verschärft sich noch, weil die Qualität am Standort Deutschland hoch ist.« Mehr als 60 Prozent der VDGH-Mitglieder sehen derzeit Personalengpässe. Besonders in kleinen und mittelständischen Unternehmen gibt es derzeit zu wenige Experten in den Bereichen Forschung und Entwicklung. »Der Druck ist enorm«, so Borst.

 

Druck herrscht ebenfalls bei den Preisen. Die Gewinnerwartungen seien deutlich rückläufig, weil die Margen sänken, stellte Borst heraus. »Dahinter stehen flächendeckende Quotierung und eine sinkende Erstattung für Laborleistungen in den ärztlichen Vergütungssystemen.« Die Preise für Labortests und -geräte verhandelten Ärzte beziehungsweise Laborkette und Industrie frei. Daher bestehe ein direkter Zusammenhang zwischen der ärztlichen Vergütung und den Preisen der Industrie, erklärte Borst.

 

Negative Auswirkungen für die Diagnostika-Industrie erwartet der VDGH gleichermaßen von den Ergebnissen aus Brüssel zur Neuordnung des europäischen Medizinprodukterechts. Besonders in puncto Produktzulassung rechnen die Hersteller mit Verschärfungen. Im Rahmen der neuen IVD-Verordnung, die das Inverkehrbringen neuer Produkte regelt, gehe es europaweit um rund 1,5 Milliarden Euro Mehrkosten für die Branche, so Martin Walger, Geschäftsführer des VDGH. Das hat Folgen. Er erklärte: »Es sieht so aus, als müssten künftig Produkte vom Markt genommen werden, weil sie sich in Hinblick auf die EU-Vorgaben sonst nicht mehr rechnen.«

 

Sinkende Investitionen

 

Zudem sinkt laut Branchen-Befragung der Anteil an Firmen, die 2016 ihre Forschungsinvestitionen ausbauen wollen, um 14 Prozentpunkte auf 41 Prozent. Hintergrund ist Borst zufolge, dass neue Produkte und Leistungen nur schwer Eingang in den Katalo­g der Gesetzlichen Krankenversicherung finden. »Dies wird in unseren Unternehmen immer wieder als ein Markthemmnis genannt.« Ein anderer Faktor sei der Laborpreisdruck, ergänzt Walger. Wenn dieser steige, bleibe schlicht und einfach kein Geld mehr für die Forschung. »Auch das lässt bei uns Sorgenfalten auf der Stirn entstehen.« /

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