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Nosokomiale Infektionen

Ausbruch in Kiel

28.01.2015
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Ein multiresistentes Bakterium macht derzeit Schlagzeilen: Auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Kiel wurde der Erreger Acinetobacter baumannii bei bislang 31 Patienten nachgewiesen. Experten arbeiten an der Eindämmung des Ausbruchs.

Seit Mitte Dezember seien insgesamt 31 Patienten positiv auf das gegen vier Antibiotika-Gruppen resistente Bakterium getestet worden. Zwölf Patienten, bei denen der Erreger festgestellt wurde, sind gestorben, sagte Klinikchef Jens Scholz bei einer Pressekonferenz. Aktuell liegen 16 Patienten, die eine Besiedlung aufweisen, im Klinikum. Bei neun gestorbenen Patienten konnte der Erreger nach Aussage der behandelnden Ärzte definitiv als Todesursache ausgeschlossen werden. Bei drei der Toten war die Todesursache nicht zweifelsfrei zu klären.

 

Mithilfe von Spezialisten vom Institut für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene der Universitätsklinik Frankfurt am Main will das Kieler Klinikum den Ausbruch jetzt schnell beenden. Die Experten bescheinigten nach einer ersten Begehung, die Klinik habe Isolierungs- und Hygiene-Maßnahmen bestmöglich durchgeführt. Scholz wies Vorwürfe der Gewerkschaft Verdi zurück, Personalmangel sei schuld an möglichen Hygieneverstößen und damit möglicherweise auch an der Ausbreitung des für Gesunde ungefährlichen, für Kranke aber gefährlichen Erregers. »Wir haben am UKSH einen besseren Personalschlüssel als den Bundesreferenzwert«, sagte Scholz. Der Krankenhausgesellschaft liegen keine Hinweise auf Hygienefehler oder andere Defizite in diesem Bereich vor.

 

Rückendeckung erhält die Klinikleitung in dieser Beziehung von der Deutschen Gesellschaft für Hygiene und Mikrobiologie (DGHM). In einer Stellungnahme schreibt sie, dass international zahlreich dokumentierte Ausbrüche mit Acinetobacter baumannii gezeigt hätten, »dass auch bei optimaler Einhaltung von Hygienemaßnahmen solche Ausbrüche oft nur schwer einzudämmen sind«.

 

Jedes Jahr werden in Deutschland nosokomiale Ausbrüche mit multiresistenten Acinetobacter baumannii registriert, wobei die Indexpatienten zumeist zuvor im Ausland hospitalisiert waren, schreibt das Robert-Koch-Institut im Infektionsepidemiologischem Jahrbuch für 2013. Demnach kam es im Jahr 2013 zu 14 Ausbrüchen mit dem Erreger mit insgesamt 68 Fällen. Bei der Mehrheit der betroffenen Patienten wurde lediglich eine Besiedlung mit dem Bakterium festgestellt, Infektionen können zumeist unter Einsatz von Colistin, einem Antibiotikum aus der Gruppe der Polymyxine, erfolgreich therapiert werden, heißt es beim RKI. Aber auch einige letale Verläufe, die mit einer Infektion in Verbindung gebracht wurden, seien aufgetreten. Die Übertragung von Acinetobacter baumannii erfolgt durch direkten oder indirekten Kontakt (Hände des Personals, medizinische Materialien); auch eine aerogene Übertragung ist möglich.

 

Der in Kiel nachgewiesene Erreger ist ein 4MRGN-Keim. 4MRGN steht dabei für multiresistente gramnegative Bakterien, die gegen die vier Antibiotika-Gruppen der Penicilline, Cephalosporine, Chinolone und Carbapeneme unempfindlich sind. /

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