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Folgeprojekt P-STAT 2

Evaluation der...

20.01.2009
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Erfahrungsberichte von Pharmaziepraktikanten

Silke Rasche und Antonia Schabio, Klinikum rechts der Isar der TU München

Zu Beginn bewältigten wir die erste Schwierigkeit, uns in den stressigen Stationsalltag sinnvoll zu integrieren. Nachdem wir eine Erklärung über unseren Stand in der Ausbildung zum Apotheker gegeben hatten, kamen viele Fragen zu Dosierungen, Wechselwirkungen und gelisteten Arzneimitteln.

 

Sowohl die Ärzte als auch das Pflegepersonal waren begeistert, dass sie ab jetzt mit hilfreicher Unterstützung im Umgang mit Arzneimitteln rechnen konnten. Da uns ein kompetentes Apothekerteam im Rücken stand, konnten wir auch bei Wissenslücken nach Rücksprache und Recherche die benötigten Informationen schnell weitergeben. Auch aus diesem Grund waren die Mitarbeiter der Station mit unserer Arbeit zufrieden, obwohl wir noch nicht den Wissensstand eines ausgebildeten Apothekers bieten konnten.

 

Gute Erfahrungen haben wir auch mit den Patienten gemacht. Manche waren zuerst über die Anwesenheit pharmazeutischen Personals überrascht. Nach dem Anamnesegespräch meinten jedoch viele, dass durch uns die Lücke zwischen Klinik und Hausarzt sinnvoll geschlossen wird und so eine lückenlose Arzneimittelversorgung gewährleistet werden kann.

 

Max Eberwein und Katrin Harbauer, Dom-Apotheke, Essen

Durch die vielfältigen Aufgaben im Rahmen des P-STAT-2-Projektes war es uns möglich, einen guten Einblick in den Krankenhausalltag und den Umgang mit Arzneimitteln zu gewinnen. Ein Großteil unserer Aufgabe war die umfangreiche Dokumentation jedes einzelnen Patienten auf der Station. Hierbei wurden patientenspezifische Daten erhoben, wie Körpergröße, Körpergewicht, Alter und Laborwerte. Auch die aktuelle Medikation wurde erfasst und vervollständigt. Indem wir die Arzneimittelanamnese und -substitution unmittelbar nach stationärer Aufnahme des Patienten durchgeführt haben, konnten wir die Ärzte zeitlich entlasten.

 

Durch Berechnung der Nierenfunktion und die Überprüfung der Arzneimittel auf klinisch-relevante Interaktionen und Nebenwirkungen war es möglich, arzneimittelbezogene Probleme zu erkennen. So konnten wir zum Beispiel Dosisanpassungen bei eingeschränkter Nierenfunktion während der regelmäßigen Visiten mit den Ärzten und dem Pflegepersonal diskutieren und lösen. Das tägliche Stellen der Arzneimittel und die Durchführung von Bestellungen und Sonderbestellungen hat außerdem das Pflegepersonal zeitlich entlastet.

 

Durch Aufklärungsgespräche mit Patienten zur korrekten Anwendung ihrer Arzneimittel konnte die Qualität und Sicherheit der Arzneimitteltherapie verbessert werden. Hieraus ergab sich oft ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Pharmaziepraktikant und Patient. Die Patienten nutzten diese Gelegenheit, um uns Fragen zu ihren Medikamenten zu stellen. In den letzten sechs Monaten haben wir viel gelernt und festgestellt, wie sinnvoll die Arbeit eines Pharmaziepraktikanten auf Station ist.

 

Julia Ackermann und Christina Kohl, Klinikum Fulda

Nach einem Monat Einarbeitung begann für uns die Arbeit auf Station. Wir hatten alle Hände voll zu tun, Patientenakten zu lesen, Arzneimittelanamnesen auf die Hausliste umzustellen und Empfehlungen zur leitliniengerechten Thromboseprophylaxe und Antibiotikatherapie zu geben. Am zeitintensivsten war die Umstellung der Arzneimittel auf die Hauslisten. Häufig fehlten Stärken von Arzneimitteln, Zusätze wie »comp« oder es waren falsche Dosierungen angegeben. Unsere Aufgabe war es, die fehlenden Angaben zu klären.

 

Zu Beginn war es eine große Herausforderung, auf Station akzeptiert zu werden. Für viele Ärzte und Pflegekräfte war es anfangs ungewohnt, dass wir täglich auf Station die Patientenakten durchsahen und Fragen zu Medikamenten stellten. Das änderte sich allerdings schnell, und wir wurden immer öfter um Rat gefragt.

 

Sowohl für die Ärzte als auch das Pflegepersonal war unsere Tätigkeit eine große Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Für uns war es eine einmalige Chance, intensiv mit Ärzten und Pflegepersonal auf einer Station zusammenzuarbeiten. Wir haben in dieser Zeit viel gelernt und das nicht nur in fachlicher Hinsicht. Besonders wichtig, auch für unsere berufliche Zukunft, waren die vielen Erfahrungen, die wir in der Zusammenarbeit im multidisziplinären Team und in der Kommunikation mit den Patienten machen konnten.

Literatur

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Approbationsordnung für Apotheker. Stand: 15.06.2005.

Gerdemann A, Griese N, Schulz M. Pharmaziepraktikanten auf Station. Pharm. Ztg. 2005;150:496-501.

Gerdemann A, Griese N, Schulz M. Pharmacy interns on the ward ­ a pilot study. Pharm World Sci 2007;29:34-8.

Leape L, Cullen D, Clapp M, Burdick E, Demonaco H, Erickson J, et al. Pharmacist participation on physician rounds and adverse drug events in the intensive care unit. JAMA 1999;281:267-70.

Kucukarslan SN, Peters M, Mlynarek M, Nafziger DA. Pharmacists on rounding teams reduce preventable adverse drug events in hospital general medicine units. Arch Intern Med 2003;163:2014-8.

Schumock GT, Butler MG, Meek PD, al. e. Evidence of the economic benefit of clinical pharmacy services: 1996-2000. Pharmacotherapy 2003;23:113-25.

Kaboli O, Hoth A, McClimon B, Schnipper J. Clinical pharmacists and inpatient medical care. Arch Intern Med 2006;166:955-64.

Hohmann C, Radziwill R, Klotz JM, Eickhoff C, Jacobs AH, Schulz M. Entwicklung eines Dokumentationssystems für arzneimittelbezogene Probleme im stationären Bereich (APS-Doc). Krankenhauspharmazie 2008;29:435-41.

 

Die Verfasser

Dr. Carina Hohmann, Apotheke und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG, Pacelliallee 4, 36043 Fulda und Geschäftsbereich Arzneimittel der ABDA, Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP), Jägerstraße 49/50, 10117 Berlin, carina.hohmann(at)klinikum-fulda.de

 

Professor Dr. Roland Radziwill, Apotheke und Patienten-Beratungs-Zentrum, Klinikum Fulda gAG, Pacelliallee 4, 36043 Fulda

 

Dr. Christiane Eickhoff, Professor Dr. Martin Schulz, Geschäftsbereich Arzneimittel der ABDA, Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP), Jägerstraße 49/50, 10117 Berlin

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