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Versandhandel

»Das rote A wird abgeschraubt«

23.01.2007  16:49 Uhr

Versandhandel

»Das rote A wird abgeschraubt«

Von Thomas Bellartz

 

DocMorris hat am vergangenen Sonntag seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2006 veröffentlicht. Demnach legte der niederländische Versandhandelskonzern zwar um 17 Prozent beim Umsatz zu, blieb aber hinter den eigenen Erwartungen zurück.

 

Auch wenn sich die Bilanz laut der Pressemitteilung »sehen lassen kann«, wirft das Zahlenspiel Fragen auf. So hat das Unternehmen zwar 17 Prozent mehr umgesetzt als im Jahr zuvor, doch damit bleibt Däinghaus wohl hinter den eigenen Erwartungen vorangegangener Jahre zurück. das Wachstum ist deutlich langsamer als noch vor zwei, drei Jahren erwartet. Und auch das Wachstum bei den Neukunden verläuft weniger dynamisch als noch in den Vorjahren. 2006 war für DocMorris also deutlich schlechter als erwartet. Und 2007 dürfte das Wachstum bei dem Versandhändler erneut geringer ausfallen als ein Jahr zuvor.

 

Mit seinem eigentlichen Geschäft, dem Versandhandel von Arzneimitteln, dürfte DocMorris beileibe nicht die Anlaufkosten hereinspielen, die seit dem Markteintritt entstanden sind. Und so ist erneut auch nur von einem operativen Gewinn die Rede. Banker und Investoren dürften skeptisch werden angesichts eines verlangsamten Wachstums, eines Marktanteils, der weit von dem entfernt ist, was DocMorris-Gründer Ralf Däinghaus als Ziel vorgegeben hat, zunehmend skeptisch.

 

Natürlich sind 800.000 Kunden und 178 Millionen Euro Umsatz stattlich - über echte Profitabilität im Sinne der Investoren wird wenig geschrieben in der Pressemitteilung, die einer Sonntagsrede des Vorstandsvorsitzenden gleichkommt.

 

Einen Tag also vor der Veröffentlichung eines Urteils, das die Öffnung der Saarbrücker DocMorris-Apotheke zumindest derzeit wieder ermöglicht, verharrt Däinghaus bei Ankündigungen: »Das rote A wird abgeschraubt, das grüne Kreuz angeschraubt«, beschreibt er kurzerhand die Kooperationen, die er mit Apotheken eingehen will. 500 Apotheken sollen in den nächsten drei bis fünf Jahren das DocMorris-Signet tragen. Und in den Zeitungen lässt der Macher wissen, dass die Apotheker bei ihm Schlange stünden. Vielleicht schaffe man ja auch 1000 DocMorris-Apotheken. Der Mann hatte vor Jahren für den Zeitraum 2005/2006 einen Umsatz weit jenseits der 250 Millionen prognostiziert und manches mehr. Klappern gehört zum Geschäft. Däinghaus ist clever genug, um seine dünnen Bilanzmeldungen an einem Sonntag zu versenden. Man darf gespannt sein, wie sich der Konzern 2007 entwickelt. Die Reform jedenfalls kommt Däinghaus nicht entgegen.

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