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Erhöhtes Suizidrisiko unter Antikonvulsiva

06.01.2009
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Erhöhtes Suizidrisiko unter Antikonvulsiva

Von Sven Siebenand

 

Manche Patienten, die Antiepileptika einnehmen, haben eine erhöhte Neigung zur Selbsttötung. Das ergab eine Metaanalyse der US-amerikanischen Arzneimittelagentur FDA aus fast 200 Studien mit insgesamt 43.000 Teilnehmern.

 

Mit einem entsprechenden Warnhinweis in der Fachinformation reagiert die Behörde nun auf das Ergebnis, wonach die Einnahme der elf untersuchten Wirkstoffe (Carbamazepin, Divalproex, Felbamat, Gabapentin, Lamotrigin, Levetiracetam, Oxcarbazepin, Pregabalin, Tiagabin, Topiramat und Zonisamid) das relative Risiko von Selbstmordgedanken und Suizidverhalten fast verdoppelte. Die Häufigkeit stieg unter Antiepileptika-Einnahme von 0,24 auf 0,43 Prozent. Eine Erklärung dafür haben die Wissenschaftler bislang nicht. Sie sind sich aber sicher, dass das Risiko auch dann besteht, wenn die Wirkstoffe für andere Indikationen als Epilepsie, etwa Migräne oder psychiatrische Störungen, zum Einsatz kommen. Die vorgeschriebenen Warnhinweise bleiben nicht auf die elf untersuchten Arzneistoffe beschränkt, sondern betreffen auch alle anderen Antiepileptika. Damit sind neben den oben genannten Substanzen auch Clonazepam, Clorazepat, Ethosuximid, Ethotoin, Lacosamid, Mephenytoin, Methosuximid, Primidon und Trimethadion betroffen. Die FDA hat sich gegen ein sogenanntes »Boxed warning« ausgesprochen, die stärkste Form eines Warnhinweises. Stattdessen empfiehlt sie den Herstellern, den Präparaten einen anderen Warnhinweis hinzuzufügen.

 

Aus europäischer Sicht kommen die Maßnahmen in den USA nicht ganz überraschend: Die Pharmakovigilanz-Arbeitsgruppe (PhVWP) des Ausschusses für Human-arzneimittel bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA hat die Antiepileptika bereits vor einigen Monaten im Hinblick auf Suizidalität neu bewertet und kam ebenfalls zu dem Ergebnis, dass das Risiko für das Auftreten von suizidalen Gedanken und suizidalem Verhalten bei Anwendung von Antikonvulsiva leicht erhöht ist. Deshalb halten die PhVWP und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte zusätzliche Warnhinweise in den Produktinformationen für erforderlich.

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