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Clostridioides-difficile-Infektionen

Aufruhr in der Mikrobiota

Infektionen mit Clostridioides difficile nehmen in Deutschland deutlich zu. Warum das so ist und wie sich die Erreger wirksam behandeln lassen, berichtete Privatdozent Dr. Hans-Jörg Epple beim Pharmacon-Kongress in Schladming.
Michelle Haß
23.01.2020
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»Der menschliche Gastrointestinaltrakt ist die erste Abwehrlinie zwischen Außenwelt und dem menschlichen Körper«, sagte Epple, Oberarzt der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie der Charité in Berlin. Das mache ihn zum bevorzugten Schauplatz von Infektionen. »Aufgrund einer enormen Exposition mit Nahrungsmitteln ist der Gastrointestinaltrakt automatisch einer Vielzahl von apathogenen und pathogenen Mikroorganismen ausgesetzt«, verdeutlichte der Gastroenterologe. Um diese Keime effizient abzuwehren, habe der Gastrointestinaltrakt (GI) ein eigenes Immunsystem ausgebildet.

»Der Gastrointestinaltrakt ist kein einzelnes Organ, sondern setzt sich aus mehreren sehr unterschiedlichen heterogenen Organen zusammen«, erklärte der Referent. Diese Tatsache und die Vielzahl an potenziell pathogenen Keimen, lasse Infektionen des GI ganz unterschiedliche Krankheitsbilder hervorrufen, je nachdem welcher Abschnitt betroffen sei.

Ein zunehmendes Problem sei die wachsende Zahl der Clostridioides-difficile-Infektionen (CDI). Sie gehörten nach wie vor zu den häufigsten nosokomialen Infektionen. Doch auch die Zahl der ambulant erworbenen Fälle steige stetig an, so Epple. »Hauptrisikofaktor für die Ausbildung einer CDI ist eine vorangegangene Antibiotika-Einnahme«, betonte er. Jeder Mensch nehme C.-difficile oral in Form von Sporen auf, die im Dünndarm zu Bakterien auskeimen. Eine intakte Mikrobiota verhindert die Ansiedelung der Bakterien (Kolonisation) im Kolon. Epple bezeichnete diesen Schutz als »Kolonisationsresistenz«.

Gestörte Mikrobiota

Durch die Einnahme bestimmter Antibiotika werde die Eubiose jedoch so gestört, dass sich die C.-difficile-Bakterien optimal ansiedeln können. »Vor allem Clindamycin ist hier sehr risikobehaftet, in zweiter Reihe Fluorchinolone und Cephalosporine«, sagte Epple. Andere Antibiotika wie die klassischen Penicilline oder Tetracycline zeigten ein geringeres bis gar kein Risiko. Epple befürwortet ein vermehrtes Zurückgreifen auf diese Substanzen, um CDI vorzubeugen.

Derzeit sind für die antibiotische Therapie der CDI drei Wirkstoffe zugelassen: Metronidazol, Vancomycin und Fidaxomicin. Problem der ersten beiden sei, dass sie die Mikrobiota selbst negativ beeinflussen und somit das Rezidivrisiko steigern. Lange Zeit galten beide bei leichten bis moderaten CDI als gleichwertig. In ihrer aktuellen Leitlinie (2017/2018) empfiehlt die Fachgesellschaft der US-amerikanischen Infektiologen IDSA jedoch, bei leichten Formen bevorzugt Vancomycin einzusetzen. Epple hält diese Empfehlung aufgrund der Studienlage für nicht gerechtfertigt. Ihm zufolge sei Metronidazol bei leichten Formen durchaus ähnlich wirksam und sollte weiter eingesetzt werden. Es bleibe abzuwarten, wie sich die deutsche Leitlinien-Kommission dazu positioniere. Fidaxomicin wurde speziell zur Behandlung von CDI-Patienten entwickelt. Es sei ähnlich wirksam wie Vancomycin, weise jedoch eine niedrigere Rezidivrate auf, da es zusätzlich die Sporenbildung der C.-difficile-Bakterien hemme, so der Referent.

Wirksam, aber risikobehaftet

»Der fäkale Mikrobiomtransfer ist eine Therapie, die bei Rezidiv-Patienten gut funktioniert. Doch sie bringt einige Probleme mit sich«, machte Epple deutlich. Zum einen seien aus rechtlicher Sicht noch einige Fragen offen. Zum anderen berge der fäkale Mikrobiomtransfer (FMT) medizinische Risiken. »Man gibt eine Mischung in den Patienten, von der man nicht weiß, wie sie zusammengesetzt ist«, so Epple. Er verwies auf Fälle aus den USA, bei denen nach einer FMT eine Sepsis durch einen resistenten Erreger aufgetreten war. Inzwischen gebe es zwar umfangreiche Auflagen für das Donor-Screening. Sie seien jedoch in der Praxis nur schwer zu etablieren und würden das Verfahren zusätzlich verteuern.

»FMT ist ein faszinierendes Prinzip, das jedoch an einigen Stellen noch nachgearbeitet werden muss. Es ist zu erwarten, dass es in den nächsten Jahren durch bessere Verfahren, etwa definierte Bakterienmischungen, abgelöst wird«, so Epple.

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