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Coronaviren
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Arzneimittel und Impfstoffe gesucht

An Medikamenten und Impfstoffen gegen das neue Coronavirus wird weltweit fieberhaft gearbeitet. Unter den Kandidaten sind altbekannte Wirkstoffe, aber auch neue Technologien kommen zum Einsatz. Die Forscher bauen dabei auf den Erkenntnissen zu SARS und MERS auf.
AutorDaniela Hüttemann
AutorSven Siebenand
Datum 06.02.2020  14:00 Uhr

Von MERS lernen

Die US-Firma Inovio arbeitet bereits seit 2018 an einer DNA-Vakzine gegen das MERS-Virus. Ihr Kandidat INO-4700 war in einer Phase-I-Studie erfolgreich. Kürzlich wurden die Ergebnisse im Fachjournal »The Lancet Infectious Diseases« veröffentlicht (DOI: 10.1016/S1473-3099(19)30397-4). Er sei gut vertragen worden und 95 Prozent der Probanden hätten eine hohe, über 60 Wochen anhaltende Antikörper-Antwort auf die Impfung gezeigt. Der MERS-CoV-Impfstoff soll nun in einer Phase-II-Studie getestet werden. Inovio gab bekannt, dass es mit INO-4800 bereits den Prototypen einer spezifischen Vakzine gegen 2019-nCoV entwickelt hat und gemeinsam mit Beijing Advaccine Biotechnology in klinischen Studien in China und den USA testen will. Präklinik und Produktion für das Prüfprodukt laufen bereits.

Auch das US-Unternehmen Novavax hatte 2017 bereits erste Ergebnisse über eine rekombinante Nanopartikel-Vakzine gegen das MERS-CoV-Virus veröffentlicht. Die Firma hat bereits mit der Entwicklung eines 2019-nCoV-Impfstoffs auf der gleichen Basis begonnen.

Mit Johnson & Johnson (J&J) und GSK kündigten auch zwei Riesen der Branche an, einen Impfstoff gegen 2019-nCoV entwickeln zu wollen. J&J setzt dabei auf die Tochterfirma Janssen und deren Impfstoffprogramm mit den Technologien AdVac und PER.C6, die bereits bei der Entwicklung und Herstellung von Janssens Ebola-Impfstoff zum Einsatz kamen. Dabei sollen Virusproteine als Antigene eingesetzt werden. Außerdem prüft J&J anhand einer Datenbank, ob bekannte Wirkstoffe antivirales Potenzial gegenüber 2019-nCoV besitzen.

GSK will in Kollaboration mit CEPI seine Adjuvanzien-Plattform zur Verfügung stellen. Dadurch soll weniger Antigen benötigt werden, was die Produktion größerer Impfstoffmengen in kürzerer Zeit ermöglichen soll. GSK kooperiert bereits mit der Universität von Queensland in Australien, die an einem eher klassischen Impfstoff arbeitet, der wie der aktuell verwendete Grippeimpfstoff bereits fertige Virusantigene enthält.

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