Laut einem Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP sind rund 39 Prozent der Beschäftigten informell tätig. Im schlimmsten Fall könnten bis zu 41 Prozent der Bevölkerung unter die Armutsgrenze von 8,30 US-Dollar pro Tag fallen. Die Schätzungen stammen noch aus einem Zeitraum, bevor die US-Seeblockade sich gegen die Öleinnahmen des Landes richtete.
Die Folgen sind im Alltag längst sichtbar. Iranische Nachrichtenportale berichten, dass immer mehr Menschen Arbeit in einfachen Dienstleistungsjobs suchen. Etwa in der Reinigung oder Gastronomie gebe es einem sprunghaften Anstieg der Arbeitsangebote, auch unter Älteren und Männern, die zuvor in anderen Berufen gearbeitet haben. Selbst Besitzende teurer Autos und SUVs fahren inzwischen für Taxi-Apps.
Apotheker Siamak ist wütend auf alle Seiten. »Die Amerikaner müssen wissen, dass es hier um Menschen und ihre Gesundheit geht, nicht um Politik«, sagt er. »Und das Regime muss verstehen, dass politische Unabhängigkeit mit kranken Menschen nicht funktioniert.«
Einwohnende in Teheran erzählen, das Gesundheitssystem sei zu einem der größten Problemfälle im Land geworden. Es funktioniert noch, aber zu einem Preis, den sich viele nicht mehr leisten können. Laboruntersuchungen, Röntgen, Operationen – für viele ist das unbezahlbar geworden. Gleichzeitig gerät das Versicherungssystem an seine Grenzen. Es greift meist nur in staatlichen Krankenhäusern, die überfüllt sind.
Fachärztliches Personal verlässt das Land seit Jahren, ebenso wie viele Pflegekräfte. Vor allem die Golfstaaten locken mit besseren Gehältern und Perspektiven. Nach den iranischen Angriffen sind die politischen Spannungen in der Region jedoch gewachsen. Für viele ist Auswandern keine Option mehr.
Auch Siamak hat mit dem Gedanken gespielt. Hoffnung macht er sich aber nicht. »Ich muss den Kunden erklären, wie sie die Medikamente nehmen sollen«, sagt er. »Das kann ich nur in meiner Muttersprache.« In seiner Branche herrsche Verzweiflung. Immerhin habe er ein Auto. »In der Zwischenzeit werde ich wohl Taxi fahren«, so Siamak.