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Hypertonie
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Apotheker leisten wertvollen Beitrag zum Gelingen der Therapie

20 bis 30 Millionen Menschen in Deutschland haben einen zu hohen Blutdruck, ungefähr ein Drittel ist nicht optimal eingestellt. Hier kann die Apotheke einen wichtigen Beitrag leisten, meinte Apothekerin Dr. Katja Renner beim Pharmacon in Schladming.
AutorKontaktJohanna Hauser
Datum 21.01.2026  12:00 Uhr

Im Allgemeinen gilt Blutdruck ab einem Wert von 140/90 mmHg als erhöht und muss in Anbetracht möglicher Folgeschäden gesenkt werden. Ein Blick in die verschiedenen Leitlinien kann allerdings verwirren, sagte Referentin Dr. Katja Renner. Während die Nationale Versorgungsleitlinie einen Wert von unter 130/80 mmHg mit individuellen Ausnahmen postuliert, sehen die US-Amerikaner sogar einen Wert von unter 120/80 mm Hg vor.

Eine antihypertensive Monotherapie ist heutzutage bis auf wenige Ausnahmen obsolet. Reicht eine niedrig dosierte Zweierkombi aus RAAS-Hemmer und Calciumantagonist nicht aus, wird ein Diuretikum ergänzt und eine niedrig dosierte Dreiertherapie fortgesetzt. Bei Bedarf wird die Dosis gesteigert. Ist der Blutdruck immer noch unzureichend kontrolliert, komme ein »Panzerknacker« hinzu, in der Regel Spironolacton.

Aber auch eine positive Lebensstiländerung kann den Blutdruck beeinflussen, da sich die Effekte der Einzelmaßnahmen addieren, so Renner. Rauchstopp und körperliche Aktivität senken den Blutdruck um je 5 mmHg systolisch und 3 bis 4 mmHg diastolisch. Jedes verlorene Kilo spart systolisch bis zu 2,4 mmHg, eine konsequente Einhaltung der Mittelmeerdiät sogar 11 mmHg. 

Vielfältige Ursachen

Bei diagnostizierter Hypertonie können Apotheken pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten und so Ursachen für eine vermeintliche »Therapieresistenz« detektieren. Eine echte Therapieresistenz liegt nur bei zehn Prozent der Patienten vor.

Anhand mehrerer Fallbeispiele schilderte Renner mögliche Gründe für ein Therapieversagen. Eine Medikationsanalyse sei immer auch Detektivarbeit. Gute Vorbereitung und gezielte Fragen helfe oft den Grund der unzureichenden Blutdruckkontrolle zu benennen. Die Medikationsliste biete erste Anhaltspunkte: Wird der SGLT-2-Hemmer wegen Herzinsuffizienz oder Diabetes, das Spironolacton wegen Herzinsuffizienz oder schlecht kontrolliertem Blutdruck eingenommen?

Renner hatte viele Beispiele von Non-Adhärenz oder fehlendem Wissen parat: Manche Patienten setzten die Medikamente ab, weil der Wert in der Selbstkontrolle »doch in Ordnung sei«. Der Switch von ACE-Hemmer zu Sartan wird nicht verstanden und beides eingenommen. Diuretika werden ausgelassen, wenn Patienten unterwegs sind. Zum Calciumantagonisten wird ein Schleifendiuretikum gegen Ödeme verordnet. Der Verzehr einer halben Tüte Lakritz täglich beeinflusst die Therapie genauso negativ, wie die regelmäßige Einnahme von Ibuprofen oder Tromcardin zu einem kaliumsparenden Diuretikum, »weil es doch gut fürs Herz sei«.

Dies zeigt, wie abwechslungsreich Medikationsanalysen sind, denn wie überall steckt der Teufel im Detail. Gleichzeitig zeige sich das Potential der pDL: Apotheker können gezielt vermeintlich therapieresistenten Patienten zu einem gut eingestellten Blutdruck verhelfen.

Mehr Wertschätzung für die pDL

Allerdings, so appelliert Renner, müssten die pDL auch angeboten und abgerechnet werden. Alles andere sei ein vollkommen falsches Signal, insbesondere an die Krankenkassen. Studien zeigten den positiven Effekt der in Apotheken erbrachten Dienstleistungen. Diese Wertschätzung spiegele sich im Entwurf des Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetzes (ApoVWG) wider, der nun erstmals auch pDL im Bereich Prävention vorsehe.

So können Apotheken zukünftig helfen, jene Patienten identifizieren, die unerkannt zu hohen Blutdruck haben und dürfen dies auch abrechnen. Allen Teams, die hinsichtlich der Patientenansprache unsicher sind, empfiehlt Renner ein neues Erklärvideo der ABDA zur Etablierung der pDL, das demnächst veröffentlicht werden soll.

»Die Apotheken bieten ein niedrigschwelliges Angebot, um Risikofaktoren zu erkennen und zur Arzneimitteltherapie zu beraten. Wir können zudem zu Lebensstiländerungen und Selbstmessungen informieren. Ich wünsche mir, dass Patientinnen und Patienten das noch stärker nutzen als bislang«, so Renner.

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