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Bürgertests und Co.
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Apotheker fordern Rückenwind aus der Politik

Masken, Testen, Impfen – mit diesem Dreiklang soll die Corona-Pandemie besiegt werden, und mit im Boot sind immer auch die Apotheker. Seit die Infektionsrate sinkt und die Zahl der Geimpften und Genesenen steigt, fahren viele Teststellenbetreiber, darunter Apotheken, ihr Angebot zurück. Grund dafür ist auch die gestutzte Vergütung. Für den Fall, dass die Pandemie wieder aufflammt, sehen sich die Apotheker gut gerüstet – allerdings nur unter bestimmten Bedingungen.
AutorKontaktCornelia Dölger
Datum 05.07.2021  16:00 Uhr
Weniger Teststellen, aber nicht überall weniger Nachfrage

Weniger Teststellen, aber nicht überall weniger Nachfrage

Tatsächlich schrumpft die Zahl der Teststellen. Etliche Kommunen fahren ihre Angebote herunter oder planen dies in nächster Zeit. Private Anbieter ziehen sich mehr und mehr zurück und auch Apotheken steigen aus dem Angebot aus. Aus Thüringen kommt etwa die Nachricht, die Zahl der testenden Apotheken sei dort von ehemals 70 auf zuletzt 57 gesunken, wie der Landesapothekerverband der Zeitung »Welt« mitteilte. Auch in der Region Nordrhein rechnet man mit sinkenden Teststellen-Zahlen; die dortige KV erklärte der PZ auf Nachfrage, Ende Mai seien insgesamt noch etwa 480 Standorte registriert gewesen, die Tendenz sei aber »deutlich abnehmend«. Konkrete Zahlen zu testenden Apotheken nannte die KV allerdings nicht. Das Gesundheitsministerium Nordrhein-Westfalen schätzt das ähnlich ein und teilte auf PZ-Anfrage mit, man gehe davon aus, dass im Juli deutlich mehr Teststellen schließen werden. Land und auch fast alle Kommunen befänden sich in der Inzidenzstufe 1, also stabil unter 35, zudem führten steigende Impfzahlen dazu, dass immer weniger Tests benötigt werden, hieß es aus Düsseldorf.

Was die Nachfrage nach Tests angeht, kann der Landesapothekerverband Niedersachsen allerdings dem offenbar verbreiteten rückläufigen Trend widersprechen. Vize-Vorstandschef Mathias Grau hat für sein Testzentrum in Horneburg im Landkreis Stade zumindest teilweise gegenteilige Erfahrungen gemacht. »Gerade zum Wochenende hin kommen wir mit dem Testen kaum hinterher.« Negative Corona-Tests seien hier etwa für Kurzurlaube, Camping und Besuche in Restaurants nötig, auch Mannschaftssportler müssten sich regelmäßig testen lassen. »An Freitagen bräuchten wir eigentlich die dreifache Testkapazität, so groß ist die Nachfrage«, erklärt Grau.

Teststellen zu reaktivieren, ist kein bürokratisches Problem

Für den Fall, dass es im Herbst zu einer vierten Infektionswelle kommen sollte und wieder mehr Teststellen nötig werden, sieht Grau die Apotheker gut gerüstet. Teststellen zu reaktivieren, sollte demnach nicht das Problem sein. »Die Abläufe sind inzwischen Routine und durch den Wegfall der Einzelbeauftragung dürften Apotheken ja jederzeit den Testbetrieb wieder aufnehmen«, erklärte er. Bürokratie stünde da also nicht im Wege. Fraglich sei aber, wie sich bis dahin die politischen Rahmenbedingungen entwickelten. »Nach dem wiederholten politischen Eingrätschen bei der Vergütung für die Zusatzaufgaben, die die Apotheker zu leisten haben, könnte ich mich vorstellen, dass deren Bereitschaft dann nicht mehr so hoch ist wie zuvor«, so Grau. Alles stehe und falle mit den Vorgaben der Politik. »Da brauchen wir jetzt keinen Gegenwind mehr, sondern Rückenwind.«

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