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Apotheker brauchen neuen Ethik-Kompass

Das Aufgabenspektrum der Apothekerinnen und Apotheker hat sich erweitert. Inzwischen spielt neben der pharmazeutischen Verantwortung auch die soziale eine immer größere Rolle. Höchste Zeit, Berufsethik-Kodizes zu überarbeiten, meint der Weltapothekerverband FIP. Neue Herausforderungen betreffen Bereiche wie Resilienz, Nachhaltigkeit und Gesundheitstechnologien.
AutorKontaktJennifer Evans
Datum 14.09.2026  07:00 Uhr

Längst geht pharmazeutische Verantwortung über bloße Arzneimittelversorgung hinaus. Sie beinhaltet klinische Entscheidungen, Forschung, Aus- und Weiterbildung, öffentliche Gesundheit, Regulierung und Lieferkettenoptimierung. Kein Wunder, dass in der internationalen Apothekerschaft der Wunsch nach klaren ethischen Leitlinien wächst. Der Weltapothekerverband FIP stellt in einem Grundsatzpapier klar, dass bei allen künftigen Entscheidungen des Berufsstands das unabhängige fachliche Urteil zentral bleiben muss, sollten externe Anforderungen mit professionellen Standards kollidieren.

Den Zweck überarbeiteter Ethikrichtlinien sieht der Weltapothekerverband nicht nur darin, die Werte der Apothekerschaft sichtbar zu machen, sondern auch die Qualität der Versorgung und das Vertrauen der Öffentlichkeit zu sichern. Das neue FIP-Papier ersetzt die Fassung von 2014 und fordert Berufsverbände, Aufsichtsbehörden und Ausbildungseinrichtungen dazu auf, ethische Standards regelmäßig zu aktualisieren.

Die alten Prinzipien verlieren dabei keineswegs an Bedeutung, obwohl sie nun weit über die Offizin hinausgehen. Apothekerinnen und Apotheker sollen laut Papier ehrlich, integer, autonom, human und professionell handeln sowie Interessenkonflikte erkennen und managen. Damit wächst gleichzeitig ihre gesellschaftliche Bedeutung.

Mehr Schutz vor Druck

Als neue ethische Herausforderungen nennt der FIP die mentale Gesundheit des Berufsstands. Es geht um den Schutz des körperlichen und seelischen Wohlbefindens vor Druck und Nötigung sowie den Umgang mit Personen, die aus Gewissensgründen eine Behandlung verweigern. Er erwartet von Berufsverbänden und Behörden, Pharmazeutinnen und Pharmazeuten künftig besser zu unterstützen und moralische Konflikte professionell zu begleiten.

Ein Schwerpunkt des Papiers liegt auf digitaler Versorgung. Der verantwortungsvolle Einsatz von digitalen Gesundheits-, Telepharmazie- und KI-Technologien einschließlich strenger Datenschutz- und Qualitätsstandards ist demzufolge nicht allein technischer Natur, sondern auch zunehmend ethischer Natur – und erfordert eine Richtschnur.

Neu hinzu kommt auch das Thema ökologische Nachhaltigkeit. Apotheken sollen Abfall reduzieren und zur sicheren Entsorgung beitragen, um so zu nachhaltigen Gesundheitssystemen beizutragen.

Als ethische Pflicht bezeichnet der FIP ebenfalls ein lebenslanges Lernen sowie die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen, um Patientensicherheit und Versorgungsqualität zu verbessern.

Die Verantwortung endet also nicht mehr beim Patienten, sondern umfasst immer stärker auch Umwelt und Gesellschaft. Doch auch in einem modernen Berufsbild versteht der FIP weiterhin Ethik als Fundament der Profession.

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